Wenn einige Programmverantwortliche noch immer zusammenzucken, sobald sie nach Programminhalten wie Ethik gefragt werden, vernachlässigen sie deren Bedeutung. Sie verweisen dann meistens auf Nachhaltigkeit, wozu auch Ethik gehöre.

Dagegen spricht Kirstin Stadelmann, Head of Marketing & PR des International Institute of Management in Technology (IIMT) der Universität Freiburg Klartext: «Da gerade ein Executive MBA oder MBA eine breite und fundierte Weiterbildung darstellt, sollten Themen wie Risikomanagement und Ethik fester Bestandteil des Ausbildungsplanes sein.» Dass ein Vollzeit- oder Teilzeit-MBA auch in Zukunft einen wichtigen Stellenwert in der Wirtschaft einnehmen wird, ist für sie unbestritten. Stadelmann beobachtet, dass in den letzten Monaten viele Interessenten - unabhängig von der Unterstützung eines Unternehmens - ihre Karriereplanung aktiv selbst in die Hand genommen haben und bereit sind, Zeit und Geld in eine fundierte Weiterbildung zu investieren.

IMD, HSG oder BSL geben den Takt vor

«Der MBA ist keineswegs überholt, aber er muss strukturiert werden, um den Herausforderungen einer veränderten, komplexeren Umwelt bestens vorbereitet zu begegnen», sagt Martha Maznevski, MBA-Direktorin am IMD in Lausanne. Mit Betonung auf das «real world learning», an das die IMD sich seit Jahren mit Blick auf die sich wandelnden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, umweltbezogenen und globalen Verhältnisse anpasst, präsentiert sich dieser MBA laut Maznevski hochaktuell und zukunftsgerichtet. Ein qualitativer Vorsprung, der sich auch in und nach der Krise ausbezahlt hat, ergänzt die Direktorin. «Wenn Business Schools darauf vorbereitet sind, auch zu leben, was sie lehren, steigt der Wert der Vollzeit- und Teilzeit-MBA-Programme.» Die Wirtschaft zeige sich bereit, das zu honorieren.

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«Die Akzeptanz unseres Flaggschiffs, des englischsprachigen Teilzeit-MBA, ist bemerkenswert», sagt Rob Straw, Executive Director des St. Gallen MBA an der HSG. Einen wichtigen Beitrag leisteten dazu die weltweit 19 000 Alumni: «Die Reputation steigt Jahr für Jahr - auch im globalen Wettbewerb mit anderen Hochschulen.» 2010, im ersten Jahr nach der Krise, stieg die Zahl der Einschreibungen für den Vollzeit-MBA um 5 Prozent, für den Teilzeit-MBA waren es sogar 20 Prozent. Die Universität St. Gallen legt Wert auf ihren Anspruch, Führungspersonen mit Blick auf ganzheitliches Management auszubilden. Die Wirtschaft hat dies gemäss Straw dringend nötig und es bleibt zu hoffen, dass diese neuen Manager ihre Überzeugung tatsächlich umsetzen.

World Business School Council lanciert

Deutlich und kritisch hat sich die Business School Lausanne (BSL) zu den Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise geäussert. Katrin Muff, Dean der BSL, findet dazu starke Worte: «Die Unternehmen wurden zu Sklaven der Investoren und der Shareholde-Value-Maximierung. Business Schools unterliegen dem Rating-Wahn, an dem immer mehr Business Schools die Programmentwicklung ausrichten.» Die BSL weicht bewusst davon ob, so Muff. «Wir konzentrieren uns auf Unternehmertum, Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit. Unsere Absolventen leiten oft Familienbetriebe, gehen in NGO oder starten eigene Unternehmen.» Die Nachfrage von Studenten ist seit 2009 ständig gewachsen, auch als Folge des 2008 vollkommen revidierten MBA-Programms, das in Zusammenarbeit mit 30 Geschäftsführern und Personaldirektoren entwickelt wurde.

Die BSL gehörte im letzten August hierzulande mit der Universität St. Gallen zu den Gründern des World Business School Council for Sustainable Business. Das Ziel: Verantwortung der MBA-Anbieter in Bezug auf die Themen Verantwortung und Nachhaltigkeit von Unternehmen zu definieren und umzusetzen sowie dies im öffentlichen Dialog sichtbar zu machen.

Positive Signale gibt es auch aus Altdorf, wo der weltweit vertretene Online-Anbieter Educatis seinen nationalen Sitz hat. Die virtuelle Educatis Graduate School of Management (EGSM), die eine Institution der Schweizer Universität Educatis ist, bietet unter anderem eine breite Palette von MBA-Fernstudiengängen an. Das von der FIBAA akkreditierte Programm kann wahlweise auf deutsch oder englisch absolviert werden. Ob Vollzeit- oder Teilzeit, können die Studierenden je nach persönlicher und beruflicher Situation selbst entscheiden. Diese Wahlmöglichkeit hat sich mit vergleichsweise tieferen Gesamtkosten in der Krise als Vorteil erwiesen. Educatis verkauft ihr Online-MBA-Programm mit verschiedenen Vertiefungen weltweit in vier Sprachen. Um sich von der Marktbeherrscherin, der staatlich-englischen Open-University abzuheben, hat sich Educatis im englischsprachigen Bereich auf Inder konzentriert, die für indische Firmen im Ausland tätig sind. Damit hat man der Krise ein Schnippchen geschlagen, indem man die Geschäftstätigkeit in Länder erweitert hat, die bislang kaum MBA-Fernstudiengänge kannten.

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«Fallstudien, die sich auf die Krise beziehen»

Welchen Einfluss hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Nachfrage seitens der Unternehmen?

Bert Wolfs: Die SBS erfüllt die Bedürfnisse der Wirtschaft durch das praxisbezogene globale Umfeld von Studenten und Lehrkörper auch während und nach der Krise erfolgreich.

Gab es nach der Krise Veränderungen bei der Zahl der Neueintretenden?

Wolfs: Die Gesamtzahl Studierender hat sich nicht merklich verändert. Jedoch gab es mehr Vollzeitstudenten während der Krise. Die Zahl der Teilzeitstudenten stieg nach der Krise leicht an.

Wurden im Blick auf die Erfahrungen der Krise Programminhalte verändert?

Wolfs: Das Business Advisory Board der SBS hat vermehrt Fallstudien integriert, die sich auf die Krise beziehen. Ethik wird ein immer relevanterer Punkt, der bei der SBS einen hohen Stellenwert hat und wo die SBS auch Pionierarbeit geleistet hat.

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