Der Chef von Active People führt in der Hosentasche jeweils ein «Astrojax» mit. Während andere an der Tramhaltestelle auf und ab gehen oder eine Zigarette rauchen, zieht René Küng die spacige Jo-Jo-Variante hervor. Er lässt die Kugeln an der Schnur durch die Luft tanzen, stoppt sie, um wieder andere Gebilde zu formen. An die verwunderten Blicke der kleinen und grossen Passanten hat er sich längst gewöhnt. «Es ist ein beglückender, entspannender Zeitvertreib», erklärt der frühere Turnlehrer seine Passion.

Active People entwickelt Geschicklichkeitsspielzeug für jedes Alter. Mit «Astrojax» spielen Freaks rund um den Erdball, vor sieben Jahren in einer Aktion auch Astronauten der Nasa. Die schnellen Bewegungen der Bälle folgen den Gesetzen der Rotationsdynamik.

Einem Gegentrend entsprechen

Für die Allerkleinsten hat man «Bilibo» im Angebot - eine knall-bunte Plastikschüssel mit Augen bzw. zwei Löchern, die alles mitmacht, was die Fantasie erlaubt und von Deutschland über England bis nach Japan mit Preisen ausgezeichnet worden ist.

An die Spielmessen in Nürnberg und New York vor ein paar Wochen ist das jüngste Produkt mitgereist: «Xaxa», formschön, zweifarbig, multifunktional. Der akustische Jonglierball erinnert wegen seiner Löcher an der Peripherie an einen bunten Planeten. Die hochelastische Hülle lässt sich abziehen und den schlagfesten Innenball mit Soundchips füllen.

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«Im internationalen Spielzeugmarkt sind wir ein kleiner, aber anarchischer und konsequenter Player», sagt Küng. Damit entspricht Active People einem Gegentrend. Neben Konsolen, Hightech und Programmen von Spielegiganten liegen analoge, reduzierte Spiele von kleinen Manufakturen im Trend. Mit wenig Material wollen sie mehr Raum für eigene Ideen bieten. Idealerweise überzeugen die Exponate auch durchs Design. Active People bietet beides. «Wir entwerfen keine spektakulären Spielsachen», meint Küng, «bei uns kann man nicht einfach auf ein ‹Knöpfli› drücken und dann ‹tschädderets› los. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, eine eigene Spielart entwickeln, manchmal mit vollem Körpereinsatz.»

Ganzen Einsatz leistet ebenso Alex Hochstrasser, der die Kollek-tionen entwirft. Der Produktedesigner recherchiert an Schulen, auf Spielplätzen und jongliert selber. Bei Active People ist er vor neun Jahren aufs Spielfeld getreten, als das KMU nach dem Jo-Jo-Boom einen finanziellen «Sleeper» hatte. Hochstrasser überzeugt Küng von seinem Wurf «Bilibo» und dem Weg vom Spielzeugvertreiber zum reinen Produzenten mit eigenem Sortiment. Kaum im Angebot, schafft es «Bilibo» in Designmagazine wie «I.D.» und von dort in Kinderzimmer und auf Spielwiesen. «Es fördert den natürlichen Spieltrieb und die Fantasie der Kinder», sagt Hochstrasser. «Ähnlich einer Kartonschachtel, kann die bunte Schale für alles Mögliche verwendet werden. Warum also nicht in einem Bilibo schaukelnd Wii spielen?»

Tricks neu im Web austauschen

Einen Miniboom löst mit 5,6 Mio verkauften Stücken auch «Astrojax» aus. Die Jo-Jos warten derweil auf einen neuen Aufschwung. Und mit einem solchen ist durchaus zu rechnen. Das Spiel ist auf griechischen Vasen abgebildet, feiert in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts eine Renaissance und verschiedene Hypes im letzten Jahrhundert. Als «[YO]² Delta» kommt es nun ausgeklügelter denn je daher. Dazu heisst es: «Es ist ein völlig neuartiges, asymmetrisches Jo-Jo mit Kugellager, das nicht nur mit einem extrem langen Freilauf verblüfft, sondern auch horizontal als Kreisel gespielt werden kann. Das elegante Design und die hochwertige Verarbeitung machen [YO]² Delta auch optisch zu einem kleinen Juwel, das in keiner Jo-Jo-Sammlung fehlen darf.»

Für Freaks schafft Active People nun auf der Website eine moderierte Plattform, auf der sie die neusten Tricks preisgeben können. Auf einer zusätzlichen Ebene sollen sich Leute aus dem pädagogischen Bereich austauschen. Dort ortet das KMU grosses Potenzial. In Frankreich und den USA führen erste Schulen «Bilibo» ein. Die unverwüstliche Schaukelkiste fördert nachweislich die Motorik.

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