Das Investitionsklima hat sich in den letzten zwölf Monaten merklich verbessert. Dies nicht nur als Folge der günstigen konjunkturellen Entwicklung, sondern auch beeinflusst durch eine veränderte Fiskalpolitik. Der Steuersatz für Unternehmen wurde von hohen 35 auf 25% gesenkt. «Das hat einen Investitionsschub ausgelöst», sagt Constantine Michalos, Präsident der Athens Chamber of Commerce and Industry (ACCI). Im laufenden Jahr soll es für die kleinen und mittleren Firmen noch besser kommen: Der Steuersatz vermindert sich auf 20%. Damit hat sich Griechenland im europäischen Vergleich in eine vorteilhaftere Position gebracht, vermag aber mit speziell steuergünstigen Ländern etwa in Osteuropa noch längst nicht mitzuhalten. Weitere Steuersenkungen sind das Ziel von ACCI-Chef Michalos, aber er ist sich bewusst, dass weitere Entlastungen für die Unternehmen erst in den nächsten zwei bis drei Jahren möglich sind.

Die Zahlen lassen sich sehen. Als die Olympischen Spiele 2004 in Athen stattfanden, lagen die ausländischen Investments bei rund 100 Mio Euro; zwei Jahre später waren es 4,3 Mrd Euro oder 2% des Bruttoinlandproduktes. Gewichtige Investoren, wie etwa die französische Credit Agricole, die Dubai Financial Group und Texas Instruments haben sich in Griechenland mit namhaften Beträgen engagiert. Wirtschaftsförderer Michalos stuft dies auch als ersten Erfolg der Entbürokratisierung ein, fügt aber gleich bei: «Es bleibt noch viel zu tun.» Nach den Plänen des Innenministeriums soll sich der administrative Aufwand für Auslandsinvestoren in den nächsten zwei Jahren nochmals um einen Viertel vermindern. Ziel ist es, die komplizierten und zeitraubenden Bewilligungsverfahren durch einen «one-stop-shop» abzulösen. Sämtliche Dokumente und Verfahren würden in diesem Fall durch die ACCI abgewickelt. Gut die Hälfte des Weges hin zu einem vereinfachten Bewilligungsprozess ist für Michalos nun absolviert. Er gibt sich optimistisch, dass die bürokratischen Hemmnisse schon bald vollständig beseitigt sind.

Eine wichtige Rolle bei der weiteren Erschliessung des Landes spielen auch die Public Private Partnerships (PPP). Die staatlichen Wirtschaftsförderer wollen ausländische Investoren zur Mitfinanzierung von öffentlichen Bauprojekten gewinnen. Dazu gehören Strassen, Schulen, Technoparks und andere Gemeinschaftsvorhaben, die von der Regierung vorangetrieben werden. Das neue Investitionsgesetz sieht für Unternehmen, die sich bei Infrastrukturprojekten beteiligen, grosszügige Subventionen über Fonds der EU und des griechischen Staates vor. Die ACCI versucht nicht nur, im Grossraum Athen neue Industrie- und Dienstleistungsfirmen anzusiedeln, sondern konzentriert die Anstrengungen ebenso auf jene ländlichen Gebiete etwa im Nordwesten des Landes, die vom Beschäftigungsrückgang in der Textilbranche betroffen sind. In diesen Randgebieten erreichen die Arbeitslosenraten noch immer bis zu 35%, obwohl es der Regierung gelungen ist, diese Quote landesweit auf unter 10% zu drücken.

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Die wirtschaftliche Öffnung des Landes geschieht nach Meinung von Wirtschaftsförderer Michalos allerdings nicht in allen Sektoren konsequent genug. Er verweist auf die Telekommunikationsbranche, mit einer staatlich kontrollierten Gesellschaft, die bei den Durchleitungsgebühren zu den Haushalten (Last Mile) noch immer eine dominante Stellung einnimmt. Ähnlich sieht die Situation auch im Energiebereich aus, während sich im Transportsektor gute Ansätze für eine stärkere Liberalisierung abzeichnen. Ein erster Privatisierungsschub ist in der jüngsten Vergangenheit erfolgt. Die EU verfolgt die weitere Entwicklung ganz genau und wird entsprechend Druck machen, wenn die Vorgaben zur Deregulierung der Märkte nicht erfüllt werden.

Handelsmissionen

Mit einem knappen Dutzend an grossen Handelsmissionen pro Jahr versucht die ACCI den Austausch von Waren und Dienst- leistungen anzukurbeln. Für Michalos ist dabei ein Nachbarland wie Albanien besonders attraktiv. Die griechische Wirtschaft stützt sich zu vier Fünfteln auf kleinere und mittlere Unternehmen, die in der Balkanregion gute Expansionschancen haben. Jetzt schon gibt es im südosteuropäischen Raum rund 4000 griechische Firmen.