Nissan: Er kam von Renault und hat in vier Jahren Japans drittgrössten Automobilproduzenten wieder auf Erfolgskurs getrimmt: Nissan-Chef Carlos Ghosn, der Star der Tokyo Motor Show.

Wem die grössere Aufmerksamkeit gilt, bleibt offen. Als Publikumslieblinge gefeiert werden sie alle, Nissan-Konzernchef und VR-Präsident Carlos Ghosn ebenso wie die vom frühe-ren Renault-Manager lancierten Konzeptstudien Effis (Brennstoffzellen-Citymobil), Serenity (Limousine/MPV) und Redigo (Spassauto mit neuen Infotainment-Lösungen). Trefflicher kann Nissan, noch vor vier Jahren ums Überleben kämpfend, das Heimspiel Tokyo Motor Show 2003 nicht anpfei-fen. Und schon gar nicht seinen 70. Geburtstag feiern. Just im Vorfeld der fernöstlichen Autoshow mit vielen Concept-Cars ­ auch von Europäern wie Mercedes mit dem F500 Mind ­ wartet die Nummer drei Nippons mit Halbjahreszahlen auf, die die westliche Konkurrenz die Augen reiben lässt. Fürs erste Semester des Geschäftsjahres 2003/04 (April­September) weist Nissan bei einem Umsatz von umgerechnet 27,09 Mrd Euro ein Betriebsergebnis von 3,05 Mrd Euro aus, 15,2% mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die Umsatzrendite von 11,3% wird aktuell von keinem anderen Autobauer erreicht, auch von den grösseren nicht. Verkauft wurden 1,467 Mio Neufahrzeuge, 5,9% mehr als im Vorjahr. In Europa resultierte ein Wachstum von 6,6% auf 267000 Neuzulassungen.

Die harte Hand des Sanierers

Die Pluszahlen verlangen ein Nachfragen. Gelten für Nissan andere Rahmenbedingungen, spürt Ghosns Management die negativen Absatzentwicklungen weltweit nicht, die unsäglichen Rabattprogramme, die flaue Konsumlust, die oszillierenden Wechselkurse. CEO Ghosn: «Unser Erfolg beruht auf der konsequenten Kostenreduktion.» Unter dem Kürzel «Nissan 180» läuft der Plan für rentables, nachhaltiges Wachstum. Mittlerweile seit vier Jahren ­ mit durchschlagendem Erfolg. Abgewichen wird vom Zielkurs kein Jota. Das wird auch so bleiben, wenn Sanierer Ghosn ab 2005 nicht nur im Fernen Osten, sondern auch bei Renault als oberster Chef das Sagen hat. An der Seine traut man «Carlos Primero» die Doppelbelastung zu, sowohl in Tokio wie in Paris die Erfolgsgeschichte fortzusetzen.

Schliesslich ist einiges eingefädelt, das rundum Freude machen soll und wird, auch dem europäischen Aktionär Renault. Die Investitionen wurden trotz Sparbefehl nicht zurückgefahren; eben erst rollten in den USA erste Fahrzeuge vom Band des Nissan-Werkes Canton in Mississippi, nach lediglich 25-monatiger Bauzeit der Produktionsanlagen. Im Juli nahm zudem die Donfeng Motor Co., Ltd, das 50:50-Joint-Venture mit Dong Feng, als erster Automobilhersteller mit chinesischen und ausländischen Teilhabern im Land der Mitte, den Betrieb auf. Die Produktepalette reicht vom PW über leichte Nutzfahrzeuge bis hin zu Bussen und Lastwagen.

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Feuerwerk: 28 neue Modelle

Zukunftsgerichtet ist auch die Modelloffensive, die einem automobilen Feuerwerk gleichkommt und in vier Jahren gegen 30 Neuheiten verspricht. Und die vergessen lässt, dass in den letzten Jahren Nissan, nimmt man den hiesigen Markt als Gradmesser, eher mit Biederkeit denn mit Innovationsfreudigkeit aufwartete.

Das ist heute, Ghosn und seiner Intuition sei Dank, anders. Die 37. Tokyo Motor Show bestätigt den Trend. Zwar steht bei Nissan vieles als Show- oder Concept-Car im Scheinwerferlicht, einiges gar so futuristisch ausgerichtet, dass nur gerade Science-Fiction-Filmproduzenten mit einer Kommerzialisierung rechnen. Anderes hingegen ist auf dem Weg zur Serienreife, beispielsweise die Limousinen C-Note (Schrägheck) oder Fuga (Stufenheck). Einiges rollt bereits durch die Häuserschluchten Tokios oder über die Highways der USA, der dreireihige Cube3 mit sieben Plätzen etwa. Oder der Murano, das aus US-Produktion stammende Sport utility vehicles SUV. Aus Schweizer Sicht wäre es höchst wünschenswert, wenn der Murano bald seine Europa-Premiere feiern könnte. Der fahraktive Freizeit- und Geländewagen mit Allradantrieb fände hier zu Lande ein breites Interesse, ebenso wie die Cabrio-Version des Nissan-Kultmobils Z 350. Wachstum wäre Nissan damit auch in der Schweiz garantiert.

So verkaufen die Japaner in der Schweiz

Januar­ Januar­ %

September 2003 September 2002

Toyota 12985 13799 ­5.9

Honda 6987 6393 9.3

Subaru 5828 5650 3.2

Mazda 5287 4933 7.2

Nissan 4238 4385 ­3.4

Mitsubishi 3873 5194 ­25.4

Suzuki 1864 1911 ­2.5

Daihatsu 945 631 49.8

Lexus 503 551 ­8.7

Total japanische Marken 42510 43447 ­2.2

Total Importe Schweiz 207811 228683 ­9.1

Quelle: AUTO-SCHWEIZ/EFKO