Der Zahnimplantateherstellers Nobel Biocare steht vor grossen Herausforderungen. Finanzchef Oliver Walker will zusammen mit der restlichen Konzernleitung das Unternehmen wieder auf den Wachstumspfad zurückführen. In einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» verhehlt Walker nicht, dass der Konzern von früheren Erfolgen träge geworden ist: «Das Unternehmen erzielte 2007 einen Spitzenumsatz von 666 Millionen Euro. Inzwischen sind es nur noch 580 Millionen. Dennoch ist die Kostenbasis gestiegen. Das sagt alles», lässt er sich zitieren.

Gemäss Walker wurde es verpasst in die wichtigsten Wachstumstreiber zu investieren, das heisst in Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb sowie der Ausbildung von Zahnärzten. «Wir verloren an Innovationskraft, was wir jetzt korrigieren», sagt Walker.

Zu einem möglichen Personalabbau sagt Walker: «Wir müssen die Kostenbasis in Einklang mit dem gesunkenen Umsatz bringen. Zusätzlich werden wir die Organisationsstrukturen vereinfachen und eine Reihe von Arbeitsprozessen automatisieren.»

Zufrieden mit dem Billigsegment

Im Billigsegment, wo Nobel Biocare mit der israelischen Tochtergesellschaft Alpha-Bio Tec vertreten ist, zeigt sich Walker zufrieden: «Die 2008 erworbene und vorab auf Schwellenländer ausgerichtete Alpha-Bio Tec ist eine erfolgreiche Akquisition. ABT steht auf soliden Füssen und ist durch Distributoren bereits in vielen Märkten vertreten.»

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Walker betont zudem, dass Nobel Biocare keine weitere Marke benötigt, um beispielsweise in den chinesischen Markt vorzudringen. «Unser Stammgeschäft mit der Marke Nobel Biocare bietet reichlich Wachstumschancen. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt und das Objekt zahlbar ist, schauen wir es uns selbstverständlich an. Aber wir suchen nicht aktiv.»

Der Finanzchef bleibt ferner bei den formulierten Zielen der Ebit-Margenverbesserung: «Wir können diese Verbesserung durch unsere laufenden Kosteneffizienzmassnahmen liefern - vorausgesetzt, der Gesamtmarkt entwickelt sich stabil.» Walker meint, eine operative Marge von bis zu 20 Prozent wieder zu erreichen, «wenn der Gesamtmarkt nicht mehr wie jetzt stagniert oder bloss leicht wächst und wir wieder Marktanteile gewinnen.» Eine Rückkehr auf 30 Prozent und mehr sei aus derzeitiger Sicht aber unwahrscheinlich.

(vst/awp)