Sobald die Rede von einer möglichen Konjunkturschwäche ist, wird Anlegern oft geraten, in Luxusaktien umzuschichten. Die Luxushersteller seien krisenresistenter als andere, heisst es dann. Auch bei Clariden Leu teilt man diese Einschätzung. «Die Luxusgüterbranche ist weniger zyklisch als andere Branchen», bestätigt Analyst Ulrich Steiner. Die Resistenz hänge einerseits damit zusammen, dass die Branche auf die zunehmende Anzahl vermögender Personen ziele, die eine Rezession weniger stark treffen würde. Andererseits profitiere die Branche vom starken Wachstum in den Schwellenländern, so Steiner. Ein weiterer Vorteil von Luxus sei seine geringere Anfälligkeit auf Währungsschwankungen. Einzelne Regierungen wie diejenige in China erheben zwar bereits Sondersteuern auf Luxusgüter. Dies schadet der Branche jedoch kaum, im Gegenteil: Laut Clariden Leu machen Preiserhöhungen High-End-Produkte oft nur noch attraktiver. Die Welt der Reichen folgt eigenwilligen Gesetzen.

Wachstum dank Uhren

Einen Beleg für die Krisenresistenz der Luxusklasse liefert die Genfer Richemont-Gruppe. Das organische Umsatzwachstum in den vergangenen fünf Monaten (April bis August) hat mit 17% die Erwartungen übertroffen. Der Konsens lag bei 15%. Damit beschleunigt Richemont ähnlich schnell wie Konkurrentin Swatch, die in den ersten sechs Monaten einen Bruttoumsatz von 16,7% auswies. Wie bei Swatch wächst Richemont vor allem durch das Geschäft im Bereich Luxusuhren. Das organische Wachstum bei den Uhrenmarken betrug im Juli und August 20%, getrieben von den asiatischen Märkten. Dass Richemont auch weiterhin auf Uhren setzt, zeigt der Anfang Woche verkündete langfristige Liefervertrag mit der jungen Genfer Uhrenmarke Roger Dubuis und der Kauf ihrer Uhren-Komponentenfabrik.
Auch beim weltweit grössten Luxusgüterkonzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) legte die Sparte «Uhren und Schmuck» im Vergleich zu den anderen mit 22% organischem Wachstum im 1. Halbjahr am meisten zu. Der organische Konzernumsatz lag bei +12%.
Vontobel-Analysten sehen in der Luxusindustrie auch langfristig eine Fortsetzung des Wachstums und bewerten sowohl LVMH als auch Richemont und Swatch mit «Sector Outperform». Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für 2008 liegen bei Swatch (18,4), Richemont (15,3) und LVMH (17,2) unter dem Branchenschnitt. Nur die ZKB hat Richemont kürzlich auf «Marktgewichten» zurückgestuft. Der Luxusgüterzyklus sei im 4. Aufschwungjahr bereits fortgeschritten, heisst es dort. Dies mag ein allzu pessimistisches Urteil sein, doch immerhin bereitet sich Richemont selber bereits auf eine allfällige Marktschwäche vor.