Der erste Eindruck beim Rundgang durch die Kellerräumlichkeiten macht dem Besucher unmissverständlich klar: Hier ist jemand am Werk, dem neben Ordnung auch das kleinste Detail wichtig ist. «Ich bin ein Perfektionist», bestätigt Erich Meier lachend. «Mir kommt dabei zugute, dass ich vor meiner Winzer- eine Schreinerlehre absolviert habe. Da habe ich gelernt, genau und sorgfältig zu arbeiten.»

Früher war der Obstbau wichtig

Vor acht Jahren hat Erich Meier von seinem Vater das in Uetikon hoch über dem Zürichsee gelegene Reblauben-Gut übernommen. Wie der Name andeutet, wurde hier seit etlichen Generationen Rebbau betrieben. «Zwar kultivierte mein Vater die für unsere Gegend typischen Sorten Räuschling, Riesling x Sylvaner und Blauburgunder», präzisiert der 33-jährige Jungwinzer, «doch im Vordergrund stand der Obstbau.»

Für Meier junior war jedoch klar, dass er sich ganz auf den Weinbau spezialisieren würde. Deshalb bepflanzte man Mitte der 1990er Jahre verschiedene Parzellen mit neuen Rebsorten, und just zur Jahrtausendwende wurde anstelle der alten Scheune ein optimal auf die zukünftigen Bedürfnisse ausgerichtetes Kellereigebäude errichtet.

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An Zürichs sonnenexponierter Goldküste ist das Rebland rar geworden. Von den ehemals ausgedehnten Rebpflanzungen konnten sich nur einige kleine Flecken gegen den übermächtigen Besiedlungsdruck behaupten. Mit 4,5 ha Rebfläche verfügt Meier jedoch über genügend Land, um sich vollberuflich als Winzer zu betätigen. Ihm zur Seite steht ferner ein Angestellter und ab kommendem Sommer ein Lehrling. «Klein, aber fein», so laute Meiers Motto. Besonders wichtig ist ihm dabei das «fein». Denn auf den wenigen verbliebenen Rebparzellen am Zürichsee Wein zu erzeugen, mache nur dann Sinn, wenn man kompromisslos auf Qualität setze, betont Meier. Dies umso mehr, wenn man als Newcomer auf sich aufmerksam machen müsse und sich etablieren wolle.

Das allerdings ist ihm längst gelungen. Mit seiner breiten Palette von 16 verschiedenen, aus insgesamt elf Sorten – sieben weissen und vier roten – erzeugten Gewächsen hat Meier keine Absatzprobleme. Im Gegenteil: Manche Weine sind mitunter innert weniger Tage ausverkauft.

Den Trends nicht abgeneigt

Wie erklärt sich Meier seinen Erfolg? «Ich mache Weine, die ich selbst mag. Dabei probiere ich immer wieder mal etwas Neues aus», antwortet er. «Bei allem Pröbeln und Experimentieren achte ich jedoch darauf, dass ich meine Linie nicht aus den Augen verliere.»

Gleichwohl verhehlt er nicht, dass er sich auch ein Stück weit nach trendigen Geschmacksvorlieben richtet. Dazu gehören die expressiven, ungewöhnlich aromatischen Bouquets seiner Weissweine, die teilweise durch die Verwendung von bei Terroirwinzern verpönten Aromahefen zustande kommen. Anderseits fällt auf, dass alle seine Weine, entgegen einem zurzeit verbreiteten Trend, keine kitschige Restsüsse aufweisen, sondern – mit Ausnahme des Rheinrieslings – knochentrocken sind und sich durch eine frische, perfekt integrierte Säure auszeichnen. Zudem sind ihnen ein nervig-solides Rückgrat und ein lobenswert moderater Alkoholgehalt eigen, was sie zu idealen Essensbegleitern macht.

Auch wenn Meier sich als experimentierfreudigen Jungwinzer bezeichnet, kann ihm eine bemerkenswerte Stilsicherheit attestiert werden. «Der Wein entsteht im Rebberg, im Keller wird er veredelt», sagt er und bringt zum Ausdruck, dass ihn die Önologietechnik nur so weit interessiert, als es darum geht, ein Optimum aus den Trauben herauszuholen. Dazu gehört, dass er zur besseren Extraktion der Aroma- und Inhaltsstoffe dem weissen Traubengut vor der Vergärung eine Kaltstandzeit von zwölf Stunden, dem roten Traubengut eine solche von fünf bis acht Tagen gewährt.

Besonders am Herzen: Der Pinot

Kein Geheimnis macht er daraus, dass ihm der Pinot noir besonders am Herzen liegt. «Der Pinot noir gehört am Zürichsee zu den traditionellen Sorten. Obwohl er einen fordern kann, gedeiht er hier ausgezeichnet und kann ausgezeichnete Resultate liefern.» Gewissermassen den Gegenpol zum elegant-geschmeidigen Pinot noir bildet der Diolinoir, der zusammen mit dem österreichischen St.Laurent Meiers Rotweinangebot abrundet. Diese Neuzüchtung aus den Sorten Rouge de Diolly und Pinot noir ergibt farbintensive, stoffig-warme Weine mit kräftigen Tanninen. Soeben abgefüllt hat Meier einen Teil der 2007er Weissweine. Obwohl ihnen ein paar Wochen Ruhe gut bekommen würden, präsentieren sie sich bereits vielversprechend.

Die Weine können direkt ab Gut gekauft werden: Weingut Erich Meier, Reblaubenstrasse 7, 8707 Uetikon, Tel. 044 920 12 25,