In 100 Tagen werden die ersten Züge durch den neuen Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel am Zürcher Hauptbahnhof fahren. Dann, am 15. Juni, öffnen auch die 37 neuen Geschäfte im Shopville ihre Tore. Im Untergrund werden bis dahin die letzten Arbeiten und Tests durchgeführt.

Es ist hell und freundlich im unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse. Die Perrons sind aus helgrauem Granit - im Gegensatz zum schwarzen im Shopville -, die Decke ist goldgelb und das Licht stammt von LED-Leuchten. Gleise und Perrons sehen aus, als ob in jedem Moment ein Zug durchfahren würde.

«Wir sind auf Kurs», sagte Roland Kobel, Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie (DML), am Donnerstag vor den Medien im Bahnhof Löwenstrasse. Die vier neuen Gleise liegen unterhalb der Sihl im Bereich des Grundwassers. Um den Bau des Bahnhofs überhaupt zu ermöglichen, musste das Grundwasser abgesenkt werden.

«Mit dem neuen Bahnhof sind 250'000 Kubikmeter Beton verbaut worden», erklärte Kobel. Eine drei Meter dicke Betonschicht trennt den Bahnhof vom Untergrund, gegen die Sihl hinauf ist die Schicht einen Meter dick. «Zusammen mit den Gleisen ist der Bahnhof genug schwer, damit er nicht auftreibt», sagte der Projektleiter.

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85 Prozent der Bausumme verbaut

Der Bahnhof Löwenstrasse liegt unterhalb der Gleise 4 bis 9. Mit den vier neuen Gleisen kann ab dem Fahrplanwechsel am 15. Juni die Kapazität am Zürcher Hauptbahnhof um 30 Prozent erhöht werden. «Über 85 Prozent der Gesamtsumme sind mittlerweile verbaut», sagte Kobel. Das Projekt kostet 2,03 Milliarden Franken.

Die Bauarbeiten wurden Ende des letzten Jahres abgeschlossen. Bis zur Inbetriebnahme werden nun noch diverse Tests an der Gleisanlage sowie den Fahrleitungen durchgeführt und das Personal wird geschult. Kürzlich wurde der Ernstfall eines Brandes geprobt. Ausserdem werden die Bauinstallationen rund um den Hauptbahnhof zurückgebaut.

Nach Inbetriebnahme der Durchmesserlinie sei die historische Fassade des Hauptbahnhofs dann wieder in voller Pracht sichtbar, sagte Kobel. Die Unterquerung dieses denkmalgeschützten Traktes, wo sich auch alle Restaurants befinden, sei denn auch das teuerste Baustück des Projekts überhaupt gewesen. «Es kostete zehn Mal mehr als der Weinbergtunnel.»

Für Fernverkehr ab Ende 2015 offen

In einem ersten Schritt verkehren ab Mitte Juni die S-Bahnen 2, 8 und 14 auf der Achse Wiedikon-Hauptbahnhof-Oerlikon über den Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel. Für den Fernverkehr ist die Strecke erst Ende 2015 offen. Bis dann müssen die zwei grossen Brücken im Westen, die 1150 Meter lange Letzigrabenbrücke und die 500 Meter lange Kohlendreiecksbrücke, fertiggestellt werden.

SBB und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) erweitern mit dem neuen Bahnhof ihr Angebot um rund 25 Prozent. Fahren auch die Fernverkehrszüge durch den neuen Tunnel, verkürzen sich die Fahrzeiten durchschnittlich um sechs bis sieben Minuten.

(sda/tke)