Peking beherbergt im Sommer die Olympischen Sommerspiele. Vor vier Jahren war dieser Grossanlass in Athen. Wie hat Griechenland davon profitiert?

Kostas Karamanlis: Mit den Olympischen Spielen konnte Griechenland der Weltöffentlichkeit sein modernes Gesicht präsentieren. Das Profil einer Nation, die sich auf die antiken Schätze der Vergangenheit zurückbesinnt, gleichzeitig aber den Blick nach vorne richtet. Der Mega-Event hat sich wirtschaftlich in vielfacher Hinsicht positiv ausgewirkt. Die Infrastruktur wurde erheblich verbessert und es entstanden neue Fazilitäten, die der Tourismusindustrie zusätzliche Impulse verliehen haben.

Hat dies den Bewohnern in Athen und den anderen Landesgegenden etwas gebracht?

Karamanlis: Ja, der Lebensstandard wurde für die ganze Bevölkerung angehoben.

Welchen Einfluss hatte die Mitgliedschaft in der Europäischen Union?

Karamanlis: Die Einbindung in die EU war eine wichtige Herausforderung für das Land. Es war ein langer Weg, bis wir die europäischen Standards erreichten. Jetzt können wir die Früchte dieser Anstrengungen ernten. Es gibt mehr innere Sicherheit, die Politik findet zu konstruktiven Lösungen und heikle soziale Themen wie die Altersvorsorge werden aktiv angegangen.

Wo gab es die grössten Fortschritte?

Karamanlis: Die Konsolidierung der demokratischen Institutionen war nach dem Eintritt in die EU 1981 die erste Priorität. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass die Annäherung an die Europäische Union erst nach dem Fall der Militärdiktatur unter der ersten frei gewählten Regierung erfolgen konnte. Das ermöglichte ein starkes Wirtschaftswachstum innerhalb eines expandierenden Binnenmarktes, sorgte für eine respektierte Aussenpolitik und führte gleichzeitig zu einer Modernisierung des gesamten Staatswesens.

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Die Ost-Erweiterung hat die Zahl der EU-Länder markant erhöht. Stehen Griechenland künftig weniger Gelder aus dem Strukturfonds zur Verfügung?

Karamanlis: Griechenland trat von Beginn weg aus politischen und wirtschaftlichen Gründen für die Ost-Erweiterung ein. Bei den Verhandlungen zum aktuellen Finanzplan 2007 bis 2013 hat unser Land eng mit den neuen Mitgliedstaaten zusammengearbeitet. Dabei muss klargestellt sein, dass nur die Gelder aus dem EU-Kohäsionsfonds an die einzelnen Staaten ausgeschüttet werden. Aus diesem Grund können die verteilten Gelder jeweils auch stark von der ursprünglich festgelegten Quote abweichen. Die im Dezember 2005 erreichte Übereinkunft war in der Tat wesentlich restriktiver, gemessen an den EU-Ausgaben und in Prozenten des europäischen Bruttoinlandproduktes. Im Vergleich zu anderen langjährigen EU-Mitgliedern ist diese Reduktion nicht ungerechtfertigt. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass die Vorteile als Folge des vereinten Europa nicht nur nach finanziellen Massstäben beurteilt werden können.

Welche Rolle spielt Griechenland in der südöstlichen Mittelmeerregion?

Karamanlis: Das Land war im Mittleren Osten schon immer ein vertrauenswürdiger und fairer Partner für den vertieften Dialog. In Krisenzeiten bot sich Athen für Hilfsmassnahmen und gute Dienste an. Beim Libanon-Krieg vor zwei Jahren fuhren griechische Schiffe der Navy als erste in den Hafen von Beirut ein, um humanitäre Hilfe ins krisengeschüttelte Land zu bringen und Zivilisten aus anderen Nationen in Sicherheit zu bringen.

Der Nahostkonflikt wickelt sich praktisch an der Aussengrenze des Landes ab.

Karamanlis: Ja, Griechenland hält traditionell freundschaftliche Beziehungen zu den arabischen Staaten und Israel. Wir verfolgen in der Region keine Selbstinteressen. Deshalb werden unsere Argumente für einen Kompromiss, Frieden, Stabilität und Prosperität auch von beiden Seiten respektiert.

Wie gestalten sich die bilateralen Beziehungen mit der Schweiz?

Karamanlis: Aus unserer Sicht wickelt sich alles auf einem sehr zufrieden stellenden Niveau ab. Es gibt in den wichtigen Punkten eine sehr gute Kooperation zwischen den beiden Ländern. Dazu gehört die Erweiterung von gemeinsamen Programmen, wie etwa Aktionen in Drittweltstaaten. Ich bin mir bewusst, dass die Schweiz ein vollwertiges Mitglied des Schengen-Abkommens werden will. Damit würde die europäische Politik des Grenzschutzes entsprechend erweitert. Die Ratifizierung der Vereinbarung durch das griechische Parlament kommt plangemäss voran. Es gibt durchaus noch Raum, um die bilateralen Beziehungen voranzubringen, und wir hoffen in Zukunft noch enger mit der Schweizer Regierung zu kooperieren.

Schweizer Investoren sind am Kauf von Immobilien in Griechenland interessiert. Ist die Regierung komplett offen für solche Investments oder werden gewisse Limitierungen favorisiert?

Karamanlis: Wir begrüssen den Erwerb von Immobilien durch Schweizer. Es gibt keine Beschränkungen für Kapital von natürlichen oder juristische Personen aus der Schweiz. Die Abwicklung gestaltet sich äusserst einfach.

Gibt es bei der staatlichen Entwicklungsarbeit spezielle Projekte?

Karamanlis: Ja, derzeit sind wichtige Immobilienentwicklungen im Gang. Da-zu gehören auch Initiativen zur Erschliessung von Land im Staatsbesitz an äusserst attraktiven Lagen. Öffentliche Ausschreibungen für derart grosse touristische Entwicklungsprojekte werden regelmässig in den internationalen Medien publiziert. Eine wichtige Anlaufstelle bezüglich integrierter Ferienresorts, Hotels, Golfplätze und Hafenanlagen ist das Hellenic Center for Investment, zusammen mit spezialisierten staatlichen Agenturen.