Wer in Zürich eine Wohnung kaufen möchte, muss vermeintlich tief in die Tasche greifen. Die durch Bevölkerungswachstum und Zuwanderung bedingte hohe Nachfrage in Kombination mit einem begrenzten Angebot und tiefen Zinsen lässt Mieten und Wohnungspreise in Zürich seit mehreren Jahren nur in eine Richtung tendieren: Nach oben.

Teuer, aber noch tragbar

Wie unerschwinglich ist Wohneigentum in der Metropole an der Limmat bereits? Gemäss Credit Suisse Economic Research betragen die Wohnkosten für eine Eigentumswohnung im Stadtgebiet Zürich derzeit rund 28% des Durchschnittseinkommens, gemessen am durchschnittlichen Haushaltseinkommen beim Abschluss einer Festhypothek über fünf Jahre. Damit ist die Tragbarkeit grundsätzlich gegeben - sollten die Wohnkosten doch maximal ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen.

Blendet man die Spitzeneinkommen und die Bonusdiskussion für einmal aus, so betrug gemäss letzter Lohnstrukturerhebung des Bundes (2008) der mittlere Bruttomonatslohn in der Stadt Zürich 6924 Fr. gegenüber schweizweiten 5823 Fr., was einer Differenz von 19% entspricht. Signifikanter ist die Scherenbildung, wenn man den durchschnittlichen Markt- preis einer Eigentumswohnung im 4. Quartal 2009 vergleicht: Dieser liegt mit durchschnittlich 8080 Fr./m2 in der Stadt Zürich rund 63% höher als der schweizerische Durchschnittswert von 5090 Fr./m2.

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Hohe Lebensqualität

Wie sieht es jedoch im Vergleich zu anderen Finanzmetropolen in Europa aus? Frankfurt ist mit Abstand der günstigere Wohnungsmarkt, weist aber auch rund ein Drittel tieferes Durchschnittseinkommen als die Stadt Zürich auf. In London liegt das Durchschnittseinkommen sogar rund ein Viertel tiefer, die Stadt weist hingegen trotz erfolgter erheblicher Preiskorrekturen immer noch mit Abstand die höchsten Spitzenwerte für Wohnimmobilien und auch die weitesten Preisspannen auf.

Der vermeintlich teure, im europäischen Vergleich jedoch immer noch erschwingliche Wohnraum in Zürich hat zudem weitere Qualitäten: Hier lebt es sich gemäss der Studie «Mercer Quality of Living Survey» seit Jahren (fast) am besten - nur Wien bietet seit 2009 weltweit noch mehr Lebensqualität.

Entspannung an der Peripherie

Aufgrund der hohen Attraktivität der Limmatstadt wurden die über 13000 Neubauwohnungen, welche in den Jahren 1999 bis 2008 erstellt wurden, problemlos absorbiert. Die aktuelle Leerwohnungsziffer beträgt marginale 0,05%. Laut Angaben der Statistik Stadt Zürich sind derzeit auf Stadtgebiet 7164 Wohnungen bewilligt, wovon sich Ende März insgesamt 4305 im Bau befanden - ein neuer Rekord. Bestimmte Gebiete wie der Zürcher Norden weisen dabei eine besonders hohe Neubauaktivität auf.

Im Gegensatz zur leicht anziehenden gesamtschweizerischen Wohnbaukonjunktur gibt es nun erste Anzeichen für eine Verlangsamung der Wohnungsbauaktivität im Stadtgebiet: So wurden gemäss Angaben seitens Statistik Stadt Zürich im 1. Quartal 2010 in Zürich rund ein Drittel weniger Wohnungen bewilligt als im Vorquartal. Auch die Nachfrage dürfte sich im Falle abschwächender Zuwanderung und steigender Hypothekarzinsen wieder zurückbilden. Vor diesem Hintergrund ist in der Peripherie eine Entspannung bei den Mieten und Wohnungspreisen zu erwarten. Die beliebten Stadtkreise werden wohl weiterhin gesucht sein.