Von Panik (noch) keine Spur: «Der Markt für MBA-Ausbildungen ist gewissermassen antizyklisch. Darum gehen wir davon aus, dass während der Wirtschaftskrise die Anmeldungen zunehmen werden», sagt Rob Straw, Associate Director des MBA-Programms der Universität St. Gallen (HSG). Doch er räumt ein, dass die zukünftige Nachfrage der MBA-Interessenten schwer vorauszusagen ist. «Sie schwankt mit den Ereignissen der Weltwirtschaft.»

Per Ende 2008 verzeichnete die HSG 15% mehr Anmeldungen als per Ende 2007. Straw ist zuversichtlich, dass die nächsten MBA-Klassen die gleiche Qualität sowie Anzahl Teilnehmer wie die vorherigen Jahrgänge aufweisen werden. «Wir stellen aber eine Verlagerung der Herkunftsländer fest. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Anfragen aus den USA gesunken, dafür haben die Anmeldungen aus den europäischen Ländern zugenommen», ergänzt Straw.

Schulen bleiben zuversichtlich

Warum so optimistisch? «Die weltweit angespannte Arbeitssi-tuation veranlasst viele Bewerber, sich für die Zukunft zu wappnen und in Weiterbildung zu investieren. Sie können sich nach einem MBA beruflich neu orientieren.» Straws Zuversicht hat Gründe: «Viele Bewerber planen ihren MBA in der Hoffnung, dass sich bei ihrem Abschluss die Weltwirtschaft wieder erholt hat. Viele potenzielle Teilnehmer fragen sich deshalb, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, mit einem MBA zu beginnen, oder ob besser noch ein Jahr zuwarten.» Sollte der Markt bis 2010 gesunden, wäre nach seiner Ansicht ein MBA-Abschluss auf diesen Zeitpunkt von hoher Attraktivität.Sollte die Konjunktur dagegen weiterhin kränkeln, vermittle ein späterer Einstieg in ein MBA-Programm zwar mehr Sicherheit, die Absolventen würden aber Gefahr laufen, die Chance der ersten attraktiven Arbeitsstellen beim Wirtschaftsaufschwung zu verpassen. Doch nachdem niemand voraussagen kann, wann es wieder aufwärts geht, ist der Zeitpunkt des Einstiegs wohl Glückssache.Beim IMD in Lausanne ist bis zum ersten Anmeldetermin am 1. Februar 2009 die Zahl der Anmeldungen gestiegen. Dazu könnten neue spannende Programmpunkte beigetragen haben: Unter dem Motto «IMD Impact 2009» steht die Discovery Expedition nach Südafrika. Mit der Krise befasst sich der Kurs «Critical Thinking», der sich der Frage widmet, wie man ein sozial engagierter, nachhaltiger Manager wird.In der Eliteschule am Genfersee herrscht in Bezug auf die Anmeldungen im weiteren Verlauf des Jahres ein etwas verhaltener Optimismus. «Wenn man frühere Erfahrungen in schweren Wirtschaftskrisen zu Rate zieht, war das meistens so, dass die Anmeldungen zunächst einmal angestiegen sind - vermutlich auch im Zusammenhang mit Menschen, die ihren Job verloren hatten», so Janet Shaner, MBA Marketing & Alumni Network am IMD. Langfristig kam es gerade bei dieser Gruppe dann häufiger zu Absagen als bei Leuten, die noch immer ihre Arbeit hatten.Wie alle grossen MBA-Anbieter hat das IMD ein Career Center, das auch in schwierigeren Zeiten auf einen soliden Platzierungsrekord verweisen kann - nicht zuletzt wegen des Renommees des Instituts als einer der weltweit besten Business Schools, sondern auch, weil das Profil der Kandidaten mit rund sieben Jahren internationaler Erfahrung begehrt ist. Dazu kommt ein Alumni-Netzwerk von 65000 Ehemaligen rund um den Globus. Ebenfalls wird ein Personal Coaching angeboten, so lange, bis die Stellensuche erfolgreich ist.

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Sich fit für die Zukunft machen

«Wir befinden uns in der glücklichen Lage, dass wir zurzeit nicht mit mangelnder Nachfrage oder Rückzügen von Anmeldungen konfrontiert sind», erklärt Andrea Schenker-Wicki, Direktorin des Executive MBA der Universität Zürich. Sie weiss aus Erfahrung, dass Weiterbildung ein antizyklisches Geschäft ist und dass langfristig denkende Unternehmen ihre Mitarbeiter gerade in Krisenzeiten fit für die Zukunft machen möchten. Die lebhafte Nachfrage nach dem EMBA-Programm zeige aber auch, dass man mit dem Mix - Dozenten, Inhalte, Format, Auslandsmodule und Betreuung - den Bedürfnissen der Teilnehmer entspricht.Ebenso überzeugt vom Erfolg ihres Programms ist Claudia Schmid-Schönbein, Direktorin des Strathclyde MBA in Zürich: «Einen Nachfragerückgang können wir nicht feststellen, eher das Gegenteil.» Sie erklärt das damit, dass in einem immer stärker internationalisierten Umfeld die Suche nach einem MBA einer guten Schule weiterhin gleich bleibend hoch sein wird. Arbeitgeber würden verstärkt die unterschiedlichen Schwerpunkte der Angebote unter die Lupe nehmen und entsprechend empfehlen.Bei Strathclyde sei dies etwa die Kompetenz im Bereich der stra- tegischen Unternehmensführung. «In den aktuellen MBA-Rankings der Financial Times, dem FT Global MBA Ranking, liegt Strathclyde im Bereich Corporate Strategy hinter Harvard und Michigan insgesamt auf Platz drei und damit in Europa an führender Stelle», betont Schmid-Schönbein.