Voll guter Absichten schlossen sich unter Führung des Aargauer Regierungsrat Peter C. Beyeler Firmen wie Axpo, ABB, Shell und Wissenschafter zusammen, um in einem Projekt namens Energie-Trialog Lösungen für die drohende Stromverknappung in der Schweiz aufzuzeichnen. Die Schweizer Energiebranche lässt Resultaten jedoch kaum ein gutes Haar («Handelszeitung» vom 10. 3. 2010). Und nun reitet auch noch die Gas- und die Ölbranche eine Attacke: Die Trialog-Studie unterschätze die Verfügbarkeit von Öl und Gas - dies nicht zuletzt deshalb, weil die kritische Klimawissenschaft zu wenig berücksichtigt werde.

Keine Klima-Skeptiker

Der auch «Weltklimarat» genannte IPCC hat zur Aufgabe, die Regierungen mit wissenschaftlich breit abgestützten Informationen zum Klimawandel zu versorgen. Sowohl die Schweizer Öl- als auch die Gasbranche betonen auf Nachfrage, dass sie mit ihrer Kritik nicht auf den Zug der Klimawandel-Skeptiker aufspringen wollen; dieser Zug hat an Fahrt gewonnen, seit im letzten Weltklimarat-Bericht Fehler entdeckt wurden. «Wir fordern einfach, dass der Energie-Trialog die Klimafrage nicht mit Scheuklappen angeht», erklärt Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung.

Hajo Leutenegger, Präsident, des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), betont ebenfalls: «Die Gaswirtschaft kritisiert die Wissenschaft nicht.» Der Trialog habe aber ernst zu nehmende Stimmen der Wissenschaft ausgeblendet, welche die verbreitete Auffassungen zum Klimaschutz in Frage stellten. Laut Leutenegger führt das zu einer undifferenzierten Ablehnung von Öl und Gas - obwohl nur schon die Ablösung von Heizöl durch Erdgas viel CO2 einsparen würde. Dies blendet der Energie-Trialog jedoch völlig aus.

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Trialog-Initiant Peter C. Beyeler wehrt sich gegen die Vorwürfe der Öl- und Gasbranche. Für den Trialog gebe es keinen Grund, sich nicht an die Erkenntnisse des Weltklimarats zu halten. Denn: Mitglied des Trialogs ist auch die vom Schweizer Peter Voser geführte Shell. «Und Shell orientiert sich am IPCC», hält Beyeler fest. Sein Punkt: Wenn sich sogar Shell als bedeutendes Branchenverbandsmitglied an die Vorgaben des IPCC hält, dann läuft die Kritik der Öl- und Erdgasverbände ins Leere. Rolf Hartl von der Erdöl-Vereinigung bleibt aber dabei: In einem Gremium wie dem Energie-Trialog dürfe die Klimadiskussion «nicht zu einer reinen Glaubensfrage» werden.

Zwar betonen der Erdgas- und der Ölverband, sich weiteren Diskussionen im Rahmen des Trialogs nicht zu verschliessen. Doch ob die Veranstaltung wie geplant in eine zweite Halbzeit geht, ist angesichts der deutlichen Kritik auch der Erdöl- und Gasbranche noch fraglicher geworden.