Wie kommentieren Sie das Ergebnis zum 1. Halbjahr 2010?

Rudolf Hadorn: Das Fazit ist durchgezogen: Auf Umsatzebene sind wir noch nicht dort, wo wir eigentlich hin wollen. Denn das Windenergiegeschäft hat sich noch zu wenig belebt. Erfreulich ist die Situation in China, wo wir unseren Marktanteil Monat für Monat steigern. Zudem ist uns zugute gekommen, dass wir in den letzten drei Jahren unsere Kundenbasis im Windenergiemarkt vervierfachen konnten.

Unter dem Strich ist das Ergebnis besser ausgefallen als erwartet.

Hadorn: Erstmals seit dem Turnaround 2007 haben wir mit 8,4% unsere Guidance einer Ebit-Marge von 8 bis 12% erreicht. Inklusive einer ausserordentlichen Lizenzzahlung hat die Marge 13% betragen.

Wie läuft das Geschäft derzeit?

Hadorn: Das 3. Quartal dürfte leicht besser ausfallen als das Vorquartal. Damit können wir aber nicht zufrieden sein, denn unsere Erwartungen waren höher. Doch derzeit kommt die Erholung im Windenergiemarkt in Europa nur schleppend voran.

Die Prognosen des Windenergieanlagenbauers Vestas, den auch Gurit beliefert, machen kaum Hoffnung, dass es bald besser wird.

Hadorn: Auch wir sind von der Auftragsflaute bei gewissen Kunden betroffen. In den vergangenen Jahren ist es uns gruppenweit gelungen, die Abhängigkeit von unseren Top-3-Kunden von rund 60 auf rund 40% zu reduzieren. Angesichts des schwachen 1. Quartals, in dem ein Kunde während mehrerer Wochen die Produktion eingestellt hatte, sind wir aber zuversichtlich, dass wir im 2. Semester weiter zulegen können.

Trotz hohen Staatsschulden und tiefem Ölpreis?

Hadorn: Kurzfristig sieht die Lage durchzogen aus. In Europa belastet die hohe Verschuldung einzelner Staaten, was sich in Subventionskürzungen und geringeren Investitionen in erneuerbare Energien niederschlägt. Zudem haben

der relativ tiefe Öl- und Gaspreis vor allem in den USA den Druck abgebaut, in alternative Energien zu investieren. Die langfristigen Trends bleiben dennoch intakt.

Wie spüren Sie die auslaufenden Konjunkturförderprogramme?

Hadorn: Bei unseren Kunden herrscht diesbezüglich Unsicherheit. In China erwarten wir aber in den nächsten Wochen mehr Klarheit. Fraglich sind die USA. Dort sind die Impulse bisher nicht wie erwartet gekommen.

Wie läuft das Geschäft im neuen Bereich Tooling, den Gussformen?

Hadorn: Durch diesen Bereich gelingt es uns, die Stellung in der Wertschöpfungskette zu erweitern. Mittelfristig könnten wir mit diesem Segment auch in andere Märkte vordringen.

Und im Transportbereich?

Hadorn: Das Geschäft läuft stabil. Zwar haben wir uns vom Luft- und Raumfahrtgeschäft mehr versprochen, auf der anderen Seite bauen wir das Geschäft im Bereich Schienenverkehr und Automobilbau auf und aus. Im Automobilbereich hat mittlerweile die Produktion fertiger Karbonkarosserieteile für einen dritten Kunden im Luxusautobereich begonnen. Im Schienenverkehr sehen wir interessante Folgeaufträge aus China und ein neues Interesse an unseren leichten und feuerfesten Materialien für den urbanen Nahverkehr.

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Ist im Marine-Segment die Talsohle durchschritten?

Hadorn: Ja. Die Visibilität nimmt zu. Am stärksten ist die Erholung in Europa, während der Markt in Amerika schwierig ist. Der starke australische Dollar belastet derzeit das Geschäft in Australien.

Kann Gurit mittlerweile die vorhandenen Kapazitäten auslasten?

Hadorn: Im Bereich der Strukturkernmaterialien ist die Auslastung gut. Hier werden wir die Kapazitäten weiter ausbauen. Die Auslastung im Bereich der faserverstärkten Halbfabrikate ist schwach. Wenn dieser Zustand anhalten sollte, werden wir uns an gewissen Standorten weitere Massnahmen überlegen müssen.

Wie lauten die Ziele bis Ende Jahr?

Hadorn: Auf Ebit-Stufe sollten wir unsere Zielmarge von 8 bis 10% erreichen. Insgesamt gehen wir von einem stärkeren 2. Halbjahr aus. Die Entwicklung im Windenergiemarkt ist jedoch immer noch recht unsicher. Ab 2011 sollte der Aufwärtstrend aber definiv einsetzen.