Adeccos Umsatz ist im 2. Quartal um 1% geschrumpft. Das Ziel eines jährlichen Umsatzwachstums von 7 bis 9% mittelfristig wird heuer wieder nicht erreicht. Müssen Sie dieses Ziel korrigieren?

Dieter Scheiff: Das war immer ein langfristiges Ziel in einem günstigen wirtschaftlichen Umfeld. Das Ziel werden wir dieses Jahr nicht erreichen, da sich das wirtschaftliche Umfeld stark verändert hat. Wie das Umfeld 2009 ist, wissen wir noch nicht.

Sie halten es für möglich, dass sich 2009 alles zum Guten wenden könnte?

Scheiff: Ich möchte heute nicht über den Ausblick für nächstes Jahr spekulieren. Wir haben nur eine beschränkte Visibilität in unserem Geschäft.

Wird Adecco bis Ende Jahr gar schrumpfen?

Scheiff: Wir geben da keine Guidance auf Jahresbasis. Aber wir sind sehr gut darauf vorbereitet, dass das wirtschaftliche Umfeld im 2. Semester noch schwieriger sein wird.

Sie haben bereits gesagt, dass das Ebita-Margenziel von 5% 2009 erreichbar sei. Rechnen Sie damit, dass Sie im US-Geschäft heuer die Marge halten können?

Scheiff: Angesichts der Tatsache, dass die Umsätze in den USA seit sieben Quartalen rückläufig sind, haben wir die Kosten sehr gut angepasst und konnten die Marge verbessern. Derzeit sehen wir weder einen Abschwung noch einen Aufschwung, sondern eine Seitwärtsbewegung der Umsätze.

Der hochmargige Bereich Professional Business ist mit 2% stärker geschrumpft als General Staffing; ist Ersterer konjunktursensibler?

Scheiff: USA und UK machen 50% des Professional Staffing aus. In UK haben wir interne strukturelle Probleme und in den USA einen sschrumpfenden Markt seit Ende 2006. Aber in Europa wächst das Professional Staffing stärker als das General Staffing.

Im schwierigen und Ihrem grössten Markt, in Frankreich, hat Adecco im 1. Quartal wieder zum Marktwachstum aufgeschlossen. Dennoch ist der Umsatz im 2. Quartal geschrumpft. Haben sich Ihre Erwartungen an den Regierungswechsel materialisiert?

Scheiff: Wir sind in Frankreich stärker als der Markt gewachsen. Insgesamt sieht man jedoch in allen europäischen Ländern eine Entschleunigung der Wachstumsraten. Wir orten aber auch Wachstumsmöglichkeiten in Ländern wie beispielsweise Spanien und Frankreich, die den öffentlichen Sektor für Zeitarbeit öffnen werden.

Grossbritannien ist sozusagen Adeccos neuer Sorgenmarkt. Wieso wollen Sie ausgerechnet dort Ihre Position mit einer Übernahme massiv verstärken?

Scheiff: Die Übernahme von Michael Page passt zu unserer Strategie, nebst dem Wachstum im General Staffing auch im Professional Staffing zu investieren. Michael Page könnte uns langfristig und nachhaltig in diesem Geschäftsbereich verstärken. Michael Page verfügt über ein ausgezeichnetes Management, und es wäre wünschenswert, wenn das Management uns im Bereich Professional Staffing ergänzen könnte.

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Sie betonten immer, wie wichtig es ist, dass das Management und die Kultur einer Übernahmefirma zu Adecco passen. Bei Michael Page sieht man wenig Nähe zu Adecco.

Scheiff: Wir sind in sehr frühen Diskussionen mit Michael Page, und wir können das noch nicht kommentieren. Unsere dezentrale Struktur erlaubt auf jeden Fall, dass wir sehr unterschiedliche Kulturen und Brands unter einem Dach vereinen.

Haben Sie, abgesehen von Page, weitere grosse Namen auf dem Radar?

Scheiff: Unsere Strategie ist, uns im Professional-Bereich in Europa, den USA und in Asien umzuschauen, ob es Unternehmen gibt, die zu uns passen. In stark wachsenden Schwellenländern denken wir über kleinere Akquisitionen nach. Insgesamt aber werden wir beim Thema Übernahmen finanzielle Disziplin üben.

Auf jeden Fall steht Ihnen 1 Mrd Euro für Übernahmen zur Verfügung.

Scheiff: Ganz generell gesprochen, könnten wir zusätzlich rund 1 Mrd Euro aufnehmen, und wir haben nochmals rund 400 Mio Euro in eigenen Aktien, die wir strategisch einsetzen könnten.