Die neuste Kienbaum/«Handelszeitung»-Kadersalärstudie zeigt, dass sich die durchschnittlichen Löhne der obersten drei Hierarchiestufen in den Schweizer Firmen über die Jahre praktisch nicht bewegt haben - und wenn, dann auch in der beginnenden Krise höchstens moderat.

Im besagten Schnitt liegen die Saläre der obersten drei Führungsebenen immer noch 3 bis 4% höher als im Vorjahr. Doch die Auswirkungen der Krise werden folgen - im kommenden Jahr dürfte der Wirtschaftseinbruch auch in den Salären sichtbar werden, zeigt sich Kienbaum-Geschäftsführer Alexander von Preen überzeugt (siehe Interview rechts).

Durchschnitt statt Spitzen

Nun ist die Betrachtung des Durchschnitts an sich wenig spektakulär und hat eine ähnlich knisternde Ausstrahlung, wie wenn die Schweiz weder Berge noch Täler hätte, sondern im Schnitt etwa 500 m hoch und flach wäre. Oder wie wenn die Schweizer auf der Tennis-Weltrangliste im Schnitt auf Rang 2450 stünden. Es sind eben durchaus die Ausnahmen, die spannend sind.

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Doch auch die 27. Ausgabe der Kadersalärstudie macht es sich zur Aufgabe, eben nicht die extremen Spitzen zu benennen, sondern Quervergleiche und branchenübergreifende Aussagen zu ermöglichen.

Auch die aktuellen Zahlen zeigen deshalb eben Durchschnitte. Und die sehen folgendermassen aus: Auf der obersten Führungsebene beziehungsweise Geschäftsleitungsebene werden im Jahr 2009 durchschnittlich 243000 Fr. (+4%) verdient. Die zweitoberste Hierarchiestufe bekommt noch 174 000 Fr. (+3,3%) und die Ebene 3, also die Abteilungsleiter und Ressortchefs, 139000 Fr. (3,0%).

Zu diesen Summen kommen für viele Kader noch diverse variable Salärbestandteile, die das Jahresgesamtsalär vermehren: Der durchschnittliche Schweizer Geschäftsführer verdient somit im Jahr 2009 insgesamt und über alle Branchen nivelliert 316 000 Fr; der durchschnittliche Direktor 201 000 Fr. und der ebenso durchschnittliche Abteilungsleiter noch 150 000 Fr. Nun kann sich jeder Leser selber ausrechnen, wie weit er von seinem Arbeitgeber als über- oder eben als unterdurchschnittlich taxiert wird.

Breite Streuung

Doch es geht auch detaillierter - der konkrete Nutzen der Auswertung liegt in der akribischen Auflistung zahlloser Einzelfunktionen in der Schweiz über diverse Branchen und Altersgruppen. So lässt sich zum Beispiel ablesen, dass die Streuung der Gesamtsaläre für einen zufällig ausgewählten Direktor in der Administration der Chemiebranche je nach Arbeitgeber zwischen 164 000 und 242 000 Fr.liegen kann, oder dass derselbe Direktor, wenn er 35-jährig ist, im schlimmsten Fall nur 126 000 Fr. verdient, wenn er bereits über 60 Jahre alt und bei einem besser bezahlenden Arbeitgeber angestellt ist, aber durchaus auf mehr als 202 000 Fr. kommen kann.

Des Weitern lassen sich die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Saläre ablesen - denn der Lohn ist bei weitem nicht nur abhängig von der Hierarchiestufe und der Funktion, sondern ebenfalls von der Unternehmensgrösse, der Anzahl der Untergebenen, natürlich der Branche (siehe Tabellen links), der Standortregion, der Ertragslage, der geografischen Verantwortung, sicher der Ausbildung, dem Alter, der individuellen Leistung und, last but not least und ziemlich deutlich, dem Geschlecht.

Bei den genannten Durchschnittswerten lässt sich also in Anbetracht all dieser Faktoren eine breite Streuung feststellen: So reichen die untersuchten Jahresgesamtsaläre auf der 1. Ebene von 80000 Fr. bis zu 1,5 Mio Fr., auf der 2. und 3. Ebene liegen die gemeldeten Saläre im Minimum bei 60000 Fr. respektive 50000 Fr. und steigen jeweils bis zu knapp über einer halben Million Franken.

Es gibt also durchaus Geschäftsführer mit 6100 Fr., Direktoren mit 4600 Fr. und Ressortleiter mit 3800 Fr. Monatslohn. Immerhin mal 13, aber genauso wenig repräsentativ wie die «Durchschnittskader».