Der finnische Handy-Hersteller Nokia hat den Marktstart seines iPhone-Konkurrenten vermasselt. Das erst am Sonntag in den USA eingeführte Smartphone Lumia 900 habe einen Softwarefehler und könne die Datenverbindung verlieren, räumte Nokia ein.

«Um den 16. April» soll es demnach eine Software geben, die den Fehler behebt. Alte und neue Käufer bekommen das Handy nun de facto sogar umsonst: Bis 21. April erhält jeder eine Gutschrift in Höhe von 100 Dollar über Nokias Mobilfunkpartner AT&T, auch rückwirkend.

Das Handy ist dort exklusiv für 99,99 Dollar inklusive Zwei-Jahresvertrag im Angebot. Bis zum Sommer soll es weltweit verkauft werden. Mit dem Windows-Handy will Nokia endlich auf dem heiss umkämpften Smartphone-Markt zu den Rivalen Apple und Google aufschliessen. Der Hoffnungsträger gilt für Nokia als entscheidend für das Comeback in den USA.

«Motor abgewürgt»

Experten sprachen nun von einem Fehlstart. «Das ist, als ob sie zu Beginn des Rennens, wenn alle Augen auf sie gerichtet sind, den Motor abgewürgt hätten», sagte Analystin Carolina Milanesi von der Marktforschungsfirma Gartner. Auch halten Experten die Entschädigungsregelung für vergleichsweise kostspielig. Allerdings dürfte der Image-Schaden noch grösser wiegen.

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Aber es kommt noch dicker für die Finnen: Der Handy-Hersteller gab überraschend bekannt, dass im ersten Quartal die angepeilten Gewinnziele verfehlt wurden. Der Nokia-Aktienkurs brach am Nachmittag um 16,5 Prozent auf 3,19 Euro ein. Damit setzt sich der Niedergang des einstigen Höhenflieger-Papiers fort. Anfang 2008 hatte sie noch bei 25 Euro notiert.

Das Nokia-Kerngeschäft mit Mobiltelefonen steckt in roten Zahlen fest. Der Konzern gab bekannt, dass die operative Gewinnmarge - das Verhältnis von Umsatz und Ergebnis - im vergangenen Quartal bei minus 3 Prozent lag statt der angepeilten Null-Linie. Im zweiten Vierteljahr werde sie bestenfalls gleich oder noch niedriger sein.

Im ersten Quartal verkaufte Nokia 2 Millionen Smartphones. Zum Vergleich: Apple setzte im Weihnachtsquartal 37 Millionen seiner iPhones ab.

Hoffen auf Elop

Die Europäer sind zwar nach Absatz immer noch Weltmarktführer bei Handys, doch bei den boomenden Smartphones haben sie längst das Nachsehen, vor allem wegen der schwachen Stellung in den USA.

Dabei hatte Nokia das Smartphone quasi erfunden, nämlich Ende der 1990er Jahre mit der Communicator-Reihe. Bis zum Start des populären iPhone von Apple war Nokia Marktführer.

Ende 2010 holten sich die Finnen dann den früheren Microsoft-Manager Stephen Elop an die Firmenspitze, um die Trendwende zu schaffen. Nokia gab auch die eigene Handy-Software Symbian auf und wechselte zum Microsoft-Betriebssystem.

(tno/laf/sda)