Der finnische Netzwerkausrüster Nokia geht dank eines guten Abschneidens im dritten Quartal optimistischer ins letzte Jahresviertel. Für die wichtigste Sparte mit Netzwerken erhöhte der ehemalige Handyweltmarktführer die Aussichten für die Profitabilität, wie das Unternehmen im finnischen Espoo mitteilte.

Ausserdem kündigte das Unternehmen an, rund 4 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückzuzahlen. Am Markt sorgte das für Freudensprünge der Aktie: Sie zog in Helsinki zuletzt um über 9 Prozent an.

Unzufrieden mit Umsatz

Die bereinigte operative Gewinnmarge der im Unternehmen dominierenden Netzwerksparte soll im Gesamtjahr nun am oberen Ende der Spanne von 8 bis 11 Prozent landen. Zuvor waren die Finnen von der Mitte der Bandbreite ausgegangen. Über Dividenden und Aktienrückkäufe sollen in diesem und dem kommenden Jahr zudem rund 4 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Ausserdem will Vorstandschef Rajeev Suri die Schulden in der Bilanz um weitere 3 Milliarden Euro senken.

Im Gesamtkonzern ging der Umsatz in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 3,04 Milliarden Euro zurück. In Nordamerika und Europa setzte Nokia weniger um - das konnte auch ein starker Zuwachs in China nicht ausgleichen. Ohne das Zutun des schwachen Euro wäre das Umsatzminus konzernweit mit 10 Prozent sogar noch deutlich deftiger ausgefallen. Suri zeigte sich damit denn auch unzufrieden. Die gestiegene Profitabilität spreche aber für die Stärke des Geschäftsmodells, sagte er.

Lukrative Geschäfte

In der Netzwerksparte verzeichnete das Unternehmen nämlich einen Anstieg besonders lukrativer Geschäfte rund um Dienstleistungen und die Netzwerkausrüstung für das mobile Internet. Ausserdem zeige sich auch der Erfolg der verstärkten Anstrengungen, die Kosten zu senken, sagte Suri. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis von Nokia legte um 4 Prozent auf 475 Millionen Euro zu. Unter dem Strich blieben mit 152 Millionen Euro hingegen 80 Prozent weniger hängen. Vor einem Jahr hatte Nokia per Saldo von einer hohen Steuergutschrift profitiert.

Der Kauf des französisch-amerikanischen Konkurrenten Alcatel-Lucent schreitet derweil voran. Suri machte den Anlegern das bevorstehende öffentliche Angebot für die Alcatel-Aktien damit schmackhaft, dass die voraussichtlichen Kosteneinsparungen von jährlich 900 Millionen Euro bereits im Jahr 2018 erreicht werden sollen - ein Jahr früher als bisher gedacht.

Spitzenplatz in Sicht

Zuletzt hatte Nokia die Zustimmung zum Deal aus China erhalten. Im Dezember soll eine ausserordentliche Hauptversammlung stattfinden und im ersten Quartal des kommenden Jahres die Fusion dann vollzogen werden. Mit ihr würde Nokia-Chef Rajeev Suri in der Netzwerkausrüstung an den schwedischen Rivalen von Ericsson vorbeiziehen und sich weltweit an die Spitze setzen.

Auch bei Alcatel-Lucent wird vor dem Milliardendeal gespart, das Unternehmen legte am Donnerstag ebenfalls Zahlen vor. Chef Philippe Camus verwies auf Erfolge bei der Profitabilität. Beim Umsatz half aber nur der schwache Euro auf die Sprünge und sorgte für Wachstum. Unter dem Strich fehlte wegen Abschreibungen auf Firmenwerte aber mehr Geld als vor einem Jahr.

(awp/dbe/chb)

Anzeige