Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat das traditionelle Instrument der Leitzinssenkung mit dem Zinsschritt auf 0,25% praktisch ausgereizt (siehe auch «Schwerpunkt» Seite 8). Weitere Zinssenkungen hätten nur mehr symbolischen Charakter.

Das Arsenal der SNB ist damit jedoch nicht erschöpft. Zusammen mit dem Zinsentscheid hat die SNB angekündigt, Devisen zuzukaufen, langfristige Repo-Geschäfte durchzuführen und Frankenobligationen von privaten Schuldnern zu erwerben.

«Die SNB ist auf einem historisch wohl einzigartig hohen Aktivitätsniveau, das darf jedoch nicht als Hyperaktivität missverstanden werden», so Martin Neff, Chefökonom der Credit Suisse. «Die Kombination der verschiedenen Massnahmen in diesem speziellen Umfeld ist auch für die SNB Neuland.»

Mit der Intervention am Währungsmarkt hat die SNB ein Absinken des Frankenkurses gegenüber dem Euro und dem Dollar bewirken können. Der Dollar ist jedoch durch Staatseingriffe der USA bereits wieder auf 1.12 Fr. abgesackt. Durch den Anstieg des Euro auf über 1.53 Fr. verschaffen die Massnahmen dem Exportsektor etwas Luft. Neff hält jedoch Währungsinterventionen für weniger wirksam: Wettbewerbspolitik mit dem Instrument der Geldpolitik sei kaum zielführend.

Hilfe für Schweizer Unternehmen

Die Ankündigung der Nationalbank, auch Unternehmensanleihen zu kaufen, hat auch Experten überrascht. Die SNB verfolgt damit die Absicht, eine Lockerung der Konditionen auf dem Kapitalmarkt herbeizuführen.

«Wir erwarten, dass die Kreditrisikoprämien hierdurch sinken und die Umlaufrenditen niedriger bleiben als ohne diese Massnahmen. Das wird Unternehmen die Refinanzierung erleichtern», so Dirk Effenberger, Ökonom der UBS. Er begrüsst deshalb die ungewöhnliche Massnahme der SNB.

Die Emissionstätigkeit soll stimuliert werden und auch Firmen ansprechen, die bisher keinen Zugang zum Kapitalmarkt hatten. Wie, wann und in welchem Umfang die Zukäufe durchgeführt werden, ist derzeit noch offen. Die SNB lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten blicken. Deshalb sind auch die Auswirkungen kaum abzuschätzen. Die US-Notenbank Fed orientiert offener. Vor kurzem hat sie bekannt gegeben, in den nächsten Monaten weitere 300 Mrd Dollar in langfristige Staatsanleihen zu investieren. Das hat zu kräftigen Zugewinnen hauptsächlich bei den längerfristigen Treasuries geführt, aber auch kurz- und mittelfristige Anleihen konnten zulegen. Jedoch haben die Zinsen aufgrund der zunehmenden Staatsverschuldung in den USA und Grossbritannien gelitten.

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Im Unterschied zu den USA oder Grossbritannien erwirbt die SNB jedoch vorerst keine Staatsanleihen. Eine weitere Differenz zum Vorgehen anderer Zentralbanken ist, dass die SNB weder den Zeitpunkt noch das Volumen der Massnahme bekannt gegeben hat. Man werde die Positionen wie üblich über die Bilanz ausweisen, so ein SNB-Sprecher.

In welche Papiere die Schweizerische Nationalbank investieren wird, ist schwierig abzuschätzen. «Die SNB dürfte hauptsächlich Unternehmensanleihen hoher Qualität im Fokus haben», so Dirk Effenberger von der UBS. Staatsanleihen würden, wenn überhaupt, erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Thema.

Drohender Preiszerfall

Doch das Vorgehen birgt auch Gefahren. In der Bilanz der SNB werden risikoreiche Aktiva im Verhältnis zu risikoarmen Bilanzpositionen zunehmen. Experten erwarten, dass die Zentralbank sich möglichst bald wieder von ihren Investitionen zurückziehen wird. Dies könnte zu einem Preiszerfall bei den entsprechenden Unternehmensanleihen führen.

Dennoch sind die Papiere derzeit für Investoren interessant. «Ganz unabhängig vom Entscheid der SNB, empfehlen wir Anlegern derzeit Unternehmensanleihen, da sie günstiger als Staatsanleihen bewertet sind», sagt Dirk Effenberger von der UBS. Das Augenmerk sollte auf guten Qualitäten und nicht auf hochverzinslichen Papieren liegen.