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Novartis-Affäre: Jetzt will ein Senator alles wissen

Novartis/Widen/USA/Vas_Narasimhan
US-Senator Ron Wyden und Novartis-Chef Vas Narasimhan: Brisante Post.Quelle: Getty/Keystone

Die Affäre um die Zahlung an Trumps Anwalt Cohen weitet sich aus. Novartis hat Post von einem Senator bekommen.

Von Seraina Gross
am 14.05.2018

Die Geschichte um eine Zahlung von Novartis von 1,2 Millionen Dollar an Essential Consultants, eine Firma von Donald Trumps Anwalt Michael Cohen, zieht weitere Kreise. Am Wochenende hat das Unternehmen ein vierseitiges Schreiben von Ron Wyden bekommen, einem einflussreichen demokratischen Senator aus dem Bundesstaat Oregon und Mitglied des Senate Finance Committee.

«Ich schreibe Ihnen, weil ich tief besorgt bin über die jüngsten Berichte, wonach Novartis mehr als eine Million Dollar an eine Scheinfirma von Michael Cohen, den persönlichen Anwalt des Präsidenten überwiesen habe», heisst es in dem an Konzernchef Vas Narasimhan adressierten Schreiben.

Der Senator bringt Kymriah ins Spiel

Der Senator bringt Kymriah ins Spiel, eine 475'000 Dollar teure Therapie zur Behandlung von leukämiekranken Kindern, für welche Novartis im vergangenen August von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA grünes Licht bekam. Es handelte sich um die erste Zulassung einer Gentherapie überhaupt. Nun schreibt der Senator: «Zur gleichen Zeit, als die Zahlungen an Michael Cohen erfolgten, trafen sich Lobbyisten des Unternehmens mit dem Weissen Haus, der FDA und Medicaire zu einer Reihe von Themen, die sich dramatisch auf die Geschäfte von Novartis hätten auswirken können».

Novartis bestätigt auf Anfrage den Eingang des Schreibens; es plane zu kooperieren. In einer früheren Stellungnahme hatte das Unternehmen betont, dass sich die Vereinbarung mit Michael Cohen auf «Consulting- und Beratungsdienstleistungen im Zusammenhang mit der Aufhebung und dem Ersatz des Affordable Care Act konzentrierte». Es seien jedoch keine Leistungen erbracht worden. Die Aufhebung des Affordable Care Act, besser bekannt als Obamacare, gehörte zu den grossen Wahlversprechen von Donald Trump. Bis jetzt ist er damit allerdings am Widerstand des Kongresses gescheitert.

Fragen über Fragen

Gemäss dem am Wochenenden vom Pharma-Nachrichtendienst Statnews publik gemachten Schreiben des Senators hat Novartis nun bis zum 5. Juni Zeit, eine Reihe von Fragen zu beantworten. So soll das Unternehmen dem Senator unter anderem «any contract and any statement of work» zwischen Novartis und Essential Consultants aushändigen, sowie Details zu den Überweisungen wie Datum, Höhe der Beträge, überweisende Bank und Empfänger. Verlangt werden zudem Aufschluss über den «internen Bewilligungsprozess», der dem Vertrag mit Michael Cohen zu Grund lag, und eine «Liste aller Personen, welche die Geschäftsbeziehung» bewilligten. In Kopie: Thomas Kendris, der Präsident der US-Tochter Novartis Pharmaceutical Cooperation.

Gemäss der Stellungnahme von Novartis sah die im Februar 2017, kurz nach Amtsantritt von Donald Trump, geschlossene Vereinbarung eine Laufzeit von einem Jahr mit monatlichen Zahlungen über 100'000 Dollar vor. Bei einem ersten Meeting im März haben Novartis festgestellt, dass Michael Cohen « nicht in der Lage sein würde, die Leistungen zu erbringen, die Novartis in Bezug auf die US-Gesundheitspolitik erwartet habe». Novartis habe sich deshalb entschlossen, das Engagement nicht weiter zu führen. «Da der Vertrag nicht nach Belieben vorzeitig aufgelöst werden konnte», seien die Zahlungen bis zum Auslaufen des Vertrags im Februar fortgesetzt worden.

E-Mail an Mitarbeiter

Novartis hält fest, dass das Engagement zeitlich vor der Ernennung von Vas Narasimhan zum CEO gelegen habe, und dass dieser «in keinerlei Hinsicht in diese Vereinbarung involviert war». Medienberichten zu Folge hatte sich Narasimhan hatte sich vergangene Woche mit einem E-Mail an seine Mitarbeiter gewandt. Es sei ein «Fehler» gewesen, diese Vereinbarung einzugehen. Das sei kein guter Tag für Novartis gewesen und er sei «frustriert und müde» zu Bett gegangen. Vorgänger Joe Jimenez, in dessen Amtszeit die Vereinbarung fiel, hat sich bis jetzt nicht zu Wort gemeldet.

Die Vereinbarung war vergangene Woche von Michael Avenatti publik gemacht worden. Er vertritt die Pornodarstellerin «Stormy Daniels» in der Affäre um eine Zahlung über 130'000 Dollar, die über den als Trumps «fixer» bekannten Michal Cohen lief – als Schweigegeld für eine angebliche Affäre, welche die Frau 2006 mit Trump hatte.

 

 

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