Der Pharmakonzern Novartis will sich in Zukunft auf die Bereiche Pharma, Eye Care und Generika konzentrieren und hat dazu eine grosse mehrteilige Transaktion angekündigt. Er kauft den Onkologie-Bereich des britischen Konkurrenten Glaxo Smith Kline (GSK), verkauft im Gegenzug den Impfstoff-Bereich an GSK und veräussert die Division Animal Health an die US-Firma Eli Lilly.

Wie der Konzern am Dienstag mitteilte, sollen alle Transaktionen positive Auswirkungen auf den zukünftigen Umsatz und das Gewinnwachstum haben, und jedes Element der Transaktion soll Wert schaffen. Die operative Kernmarge soll im ersten Jahr nach dem Abschluss der Transaktionen «deutlich steigen».

Der geplante Konzernumbau hat den Aktien von Novartis Auftrieb verliehen. Die Novartis-Aktie notiert um Mittag bei guten Umsätzen um 2,3 Prozent höher auf 76,45 Franken

Novartis hat Optionsrecht

Alle drei Elemente der Transaktion sind milliardenschwer. So zahlt Novartis für das Onkologiegeschäft von GSK 14,5 Milliarden Dollar und bis zu 1,5 Milliarden abhängig vom Erreichen von gewissen Milestone-Entwicklungen. Novartis hat mit dem Deal auch das Optionsrecht auf die laufende und zukünftige Onkologie-Pipeline von GSK.

Anzeige

Für die Devestition des Impfbereichs – im Moment ohne den Grippe-Teil – erhält Novartis 7,1 Milliarden Dollar, wobei 5,25 Milliarden sofort fällig werden und 1,8 Milliarden von Milestone-Entwicklungen abhängig sind. Der Grippe-Bereich soll separat verkauft werden. Die dritte Transaktion – der Verkauf des Tiergesundheitsgeschäftes – geht für 5,4 Milliarden Dollar über die Bühne.

Neues Joint-Venture mit GSK

Ausserdem hat Novartis ein weltweites Joint Venture im Bereich Consumer Health mit GSK Health Care angekündigt, wobei Novartis einen Anteil von 36,5 Prozent halten. Auf die rund 15'000 weltweiten Novartis-Arbeitsplätze in dieser Sparte habe das laut Novartis-Chef Joe Jimenez keinen Einfluss. Die 1500 Stellen in Nyon und am Hauptsitz Basel in dem Zweig blieben erhalten. Mit Produkten wie Panadol oder der Zahnpasta für sensible Zahnhälse von GSK ergebe sich hier eine starke Marktposition. Novartis werde vier von elf Verwaltungsräten stellen.

Vom ganzen Umbau erwartet Jimenez für seinen Konzern rund 4 Milliarden Dollar weniger Umsatz im Jahr, aber eine deutlich höhere Profitabilität. Die Gesamt-Finanzierung soll über Cash sowie kurzfristige Elemente und beschränkte neue Bonds bezahlt werden. Man wolle dabei weiterhin ein Doppel-A-Kredit-Rating haben, so die Mitteilung.

Mitte 2015 soll der Umbau abgeschlossen sein

Die gesamten Transaktionen sind noch abhängig von bestimmten Bedingungen, wie Zustimmung der Aktionäre oder Wettbewerbsbehörden. Bis Mitte 2015 sollte alles über die Bühne sein.

Analysten äusserten sich positiv. Novartis könne mit diesen Transaktionen praktisch sämtliche wenig lukrative Bereiche abstossen und im Gegenzug die zukunftsträchtige und hochmargige Onkologiesparte stärken, hiess es in einem Kommentar der Bank Notenstein. 

Anzeige

(awp/vst/moh)