In den USA ist eine heftige Kontroverse um Medikamentenpreise entbrannt. Seit Monaten werden Pharmafirmen durch die Medien gezogen. Der Vorwurf: Die Firmen würden bewusst kleinere Pharmahersteller oder einzelne Medikamente übernehmen und danach erst einmal kräftig an der Preisschraube zu drehen.

Hillary Clinton wolle sich persönlich dem Problem annehmen, wenn sie im nächsten Herbst ins Weisse Haus einziehen sollte, versprach die Spitzenkandidation der US-Demokraten. Novartis-CEO Joe Jimenez ist darüber aber nicht wirklich besorgt. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagt er: «Wir sagen den US-Politikern: Wenn man Innovation will, sollte man in Bezug auf die Preispolitik nicht überreagieren.»

«Kein erfolg – keine Bezahlung»

Die Preissetzung in den USA sei durchaus ein Thema im Basler Pharmakonzern, gibt Jimenez zu. «Es wird sich etwas verändern», sagt er. Diese Veränderungen bringe aber nicht der Staat, sondern die Privatwirtschaft, Versicherungsgesellschaften und Spitäler seien die treibenden Kräfte.

Er sieht die Branche auf dem Weg hin zu einem «erfolgsorientierten Preisgestaltungsmodell». Ganz konkret bedeutet das: Es wird nicht mehr die Behandlung an und für sich honoriert, sondern der Erfolg der Behandlung. «Kein Erfolg – keine Bezahlung», so Jimenez.

Jimenez übt Selbstkritik

«Heute rechnet man im US-Gesundheitssystem nach Leistung ab. Damit haben alle Akteure im System ein Interesse daran, dass die Preise steigen, denn dann verdient jeder mehr», sagt Jimenez zur Zeitung.

Das gilt auch für Novartis: «Wenn wir ein sehr gut wirksames Medikament gefunden haben, dann erhöhen wir manchmal die Preise über die Zeit, um neue Innovationen zu finanzieren», sagt er ganz selbstkritisch. «Im Moment behalten wir noch zu oft den gesamten Nutzen für uns allein.»

Daten, Daten, Daten

Voraussetzung dafür ist, dass man die Patienten kennt – also totale Überwachung? «Es geht vor allem um die Erfassung von Ergebnissen», meint Jimenez. «Aber man kann sich eine Zeit vorstellen, in der die Leute rund um die Uhr medizinisch überwacht sind.»

Die Tech-Industrie spreche schon heute von unsichtbarer Beobachtung. «Die Menschen werden es gar nicht mehr merken. Aber für den Herzpatienten, der vielleicht Tage vor einem potenziellen Infarkt Symptome zeigt, wird so ein System die rechtzeitige Intervention ermöglichen und so den Infarkt verhindern.»

Anzeige

(ise)