Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella musste sich an der diesjährigen Generalversammlung des Basler Pharmaunternehmens Novartis kritische Bemerkungen gefallen lassen. Neben seinem Doppelmandat und den IT-Auslagerungen thematisierten die Aktionäre auch den schleppenden Geschäftsverlauf der wichtigen Pharmadivision. Dieser Geschäftsbereich trug im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von 24 Mrd Dollar massgeblich zum gesamten Umsatz von Novartis in Höhe von rund 40 Mrd Dollar bei.

Das Management von Novartis hatte allerdings bereits Ende 2007 darauf hingewiesen, dass der Geschäftsverlauf im Pharmabereich ab dem 2. Halbjahr 2008 wieder wachsen sollte. Das laufende 1. Quartal werde nochmals rückläufige Pharmaumsätze bringen, die sich im 2. Quartal stabilisieren würden. Analyst Karl Heinz Koch von der Bank Vontobel rechnet deshalb damit, dass der Umsatz der Pharmadivision 2008 auf rund 25,3 Mrd Dollar (ohne Währungsverluste) steigen könnte. Novartis selbst hat sich zum Ziel gesetzt, ein Divisionswachstum im «unteren einstelligen Prozentbereich» zu erzielen.

Weitere Managementwechsel?

Die Ergebnisse des 1. Quartals werden am 21. April veröffentlicht. Dann wird sich zeigen, welche Fortschritte der neue Divisionschef Joseph Jimenez bereits erreicht hat. Die Investoren dürften etwa einen Statusbericht über das Restrukturierungsprogramm «Forward» erwarten, das bis 2009 umgesetzt werden soll. Vielleicht präsentieren Jimenez und Vasella dann bereits auch den Nachfolger von US-Pharmachef Alex Gorsky, der das Unternehmen vor zwei Wochen verlassen hat. «Die Nachfolge wird zum gegebenen Zeitpunkt bekannt gegeben», hält sich Novartis-Sprecher Michael Schiendorfer bedeckt. Beobachter des Unternehmens gehen davon aus, dass weitere Wechsel an der Spitze des Senior-Leadership-Managements folgen werden.

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Verstärkung in Italien

Während sich die Bemühungen von Joseph Jimenez also erst später auszahlen dürften, wies sein Management-Kollege Jörg Reinhardt letzte Woche bereits einen Erfolg vor: Der Chef der Novartis-Impfstoffdivision eröffnete in Siena ein Forschungsinstitut, das sich auf die Entwicklung von innovativen Impfstoffen für Entwicklungsländer spezialisieren soll. Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Durchfallerkrankungen. Bis in zwei Jahren soll das Institut 80 Forscher beschäftigen. Die von ihnen entdeckten Produkte werden aber nicht von Novartis, sondern von einem unabhängigen Drittunternehmen gegen Lizenzzahlungen vertrieben.Schon 2007 war diese Sparte erfolgreich: Ihr Umsatz betrug knapp 1,5 Mrd Dollar, was einem Wachstum von fast 50% gegenüber 2006 entspricht. In Zukunft sollen etwa die Kooperationen mit dem Zürcher Biotechunternehmen Cytos (Impfstoffe gegen das Rauchen und gegen Alzheimer) und dem österreichischen Impfstoffunternehmen Intercell (an dem Novartis rund 16% hält) zum Wachstum beitragen. Mit der Akquisition des Unternehmens Chiron hat Novartis auch Umsatz versprechende Meningitis-Impfstoffe erworben.

ZKB rät zum Verkauf

In seiner Rede an der Generalversammlung hielt Daniel Vasella fest, dass der aktuelle Kurs der Novartis-Aktie die guten Leistungen und das Potenzial des Unternehmens nicht widerspiegle. Viele Analysten empfehlen den Titel deshalb langfristig orientierten Investoren zum Kauf. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hingegen, die drittgrösste Schweizer Bank, bleibt skeptisch. Sie empfiehlt den Verkauf der Aktie. «Die Kursentwicklung von Novartis konnte in den letzten Jahren nicht überzeugen. Auch für die nächsten Jahre schätzen wir die Aussichten nicht besser ein», schrieb die Bank vor einigen Tagen ihren Kunden.