Die Aktionäre des Pharma-Konzern Novartis sind an der heutigen Generalversammlung (GV) in Basel allen Anträgen des Verwaltungsrates gefolgt. Auch die zuvor heftig diskutierten Traktanden Entlastung des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung sowie die Konsultativabstimmung zum neuen, ab 2014 gültigen Vergütungssystem fielen deutlich im Sinne des Verwaltungsrat aus.

Der scheidende Verwaltungsratspräsident und zukünftige Ehrenpräsident Daniel Vasella liess seine 25 Jahre bei Novartis, davon 17 in leitender Funktion Revue passieren. Im Zusammenhang mit der 72 Millionen Franken schweren Entschädigung für ein sechsjähriges Konkurrenzverbot musste sich Vasella und der Novartis-VR bekanntlich viel und harsche Kritik aus Politik und Wirtschaft anhören. Schliesslich verzichteten Vasella und Novartis darauf. Die Details seiner Beraterfunktion nun losgelöst vom Konkurrenzverbot werden noch diskutiert und gegebenenfalls kommuniziert.

«Die Reaktionen sind keineswegs spurlos an mir vorbeigegangen», sagte Vasella im Hinblick auf das Konkurrenzverbot und die Entschädigung. Er akzeptiere die öffentliche Kritik an seiner Abgangsentschädigung. «Ich habe zwei vermeidbare Fehler gemacht.» Der erste sei, den Vertrag überhaupt auszuhandeln und der zweite, zu glauben, dass der Verzicht auf eine Entschädigung zugunsten einer gemeinschaftlichen Unterstützung etwas Positives sei.

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Entlastung mit mehr als 93 Prozent erteilt

Er sei nicht immer ein einfacher Verhandlungspartner gewesen, auch für den Verwaltungsrat, so Vasella weiter. Die jüngsten Entwicklungen hätten indes gezeigt, dass Transparenz als Regulativum funktioniere. Sie hätten weiter gezeigt, dass die Reaktionen der Aktionärinnen und Aktionäre auch ohne regulativen Druck ernst genommen würden. Novartis-Vizepräsident Ulrich Lehner hat die geplante Entschädigung an Vasella verteidigt. Die Auflage an ihn, nicht für die Konkurrenz arbeiten zu dürfen, wäre fast einem Berufsverbot gleichgekommen.

Mit insgesamt rund 20 Rednern hielten sich auch die Wortmeldungen der Aktionäre und Aktionärinnen in Grenzen. Insgesamt nahmen an der knapp vierstündigen Generalversammlung in der St. Jakobshalle in Basel 2688 Aktionärinnen und Aktionäre teil. Die Anteilseigner vertraten rund 1,66 Milliarden Aktienstimmen, was 61,5 Prozent der ausgegebenen Aktienstimmen entspricht. Dabei entfielen 1,35 Milliarden Aktienstimmen oder 81,1 Prozent auf den unabhängigen Stimmrechtsvertreter, wie es an der GV hiess. Auf Organvertreter entfielen 11,2 Prozent. Die im Saal präsenten Aktionäre vertraten 127,7 Millionen Stimmen beziehungsweise 7,7 Prozent.

Nachdem die GV unter Traktandum 1 die Jahresrechnung mit 98 Prozent der Aktienstimmen verabschiedet hatte, wurde auch dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung mit 93,3 Prozent der Aktienstimmen Entlastung erteilt. Mit 99,3 Prozent wurde die Dividendenerhöhung auf 2.30 von 2.25 Franken je Aktie verabschiedet.

Vergütungssystem bekommt mehr Stimmen als zuletzt

Mit 78,3 Prozent Zustimmung für das neue, ab 2014 gültige Vergütungssystem des Konzerns in der nicht bindenden Konsultativabstimmung fiel der Ja-Stimmenanteil deutlich höher aus als noch vor zwei Jahren. Damals stimmten nur rund 61 Prozent dem Vergütungssystem zu. Eine solche Konsulativabstimmung ist bei Novartis mindestens an jeder dritten Generalversammlung vorgesehen. An dieser GV kam das System zur Abstimmung, weil bedeutende Änderungen vorgesehen waren.

Mit Blick nach vorn bestätigten Vasella und CEO Joseph Jimenez ihre Zuversicht. Novartis werde 2013 «ein starkes und nachhaltiges Resultat» erzielen können, so Vasella. Jimenez bestätigte in seiner Rede den zuletzt an der Bilanzpressekonferenz abgegebenen kurz- und mittelfristigen Ausblick. «Novartis hat die richtige Strategie, deren Umsetzung ist aber erfolgsentscheidend», so Jimenez.

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(tno/awp)


Die Generalversammlung in Bildern: