Aus eins mach drei: Der Medikamenten-Hersteller Aposan füllt den Inhalt einer grossen Flasche Lucentis von Novartis in drei günstige Spritzen um. Damit bringe das mittelständische Unternehmen aus Köln den Pharmariesen Novartis zur Weissglut, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ).

Beim Medikament handelt es sich um ein Augenheilmittel, woran Novartis die Rechte hat. Die vermeintlich simple Dienstleistung der Hamburger Aposan-Tochtergesellschafft Apozyt nennt sich «Auseinzeln» und könne die Spielregeln im Pharmamarkt verändern. «Apozyt füllt die von Novartis ausschliesslich in einer Durchstechflasche angebotene flüssige Medizin in kleinere und günstigere Fertigspritzen um», schreibt die «FAZ».

Ob dieser Service auch im gewerblichen Massstab erlaubt ist, darüber gibt es bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Rechtsentscheid. Klar ist, dass das Geschäft mit hohen Margen und damit hohen Kosten für die Krankenkassen verbunden ist.

Europäischer Gerichtshof

Wie die «FAZ» weiter schreibt, müsse ein Hamburger Gericht nun prüfen, ob dies rechtlich möglich ist. Dabei gehe es um viel: «Aposan kämpft um das Geschäftsmodell, die Krankenkassen sorgen sich um höhere Kosten, die verunsicherten Patienten um ihre Behandlung – und für Novartis geht es um eine Menge Geld», so der Artikel.

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2,4 Milliarden Dollar hat der Basler Pharmariese für das Medikament, welches gegen eine altersbedingte Netzhautlösung wirken soll, im vergangenen Jahr umgesetzt. Während die Durchstechflasche 1200 Euro kostet, bietet Apozyt die Fertigspritze laut Bericht für die Hälfte des Betrages an.

Nun habe sich das Landgericht Hamburg an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gewandt. Würde die Umfüllung nicht zu einer Veränderung des Arzneimittels führen und nur auf der Grundlage individueller Verordnungen geschehen, wäre dies erlaubt – und eine Beantragung einer neuen Zulassung wäre nicht erforderlich.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Jetzt geht es darum zu prüfen, ob durch den Vorgang von Aposan eine Veränderung stattfinde und ob dies auf Rezept geschieht. «Wir stellen ausschliesslich Rezepturen her, verändern nichts, wir erwärmen nicht, wir kühlen nicht, wir fügen auch kein Kochsalz hinzu», wird Apozyt-Chef Clemens Künzer von der «FAZ» zitiert.

Gegen die Aussagen von Künzer setzt sich Novartis-Rechtsexperte Alexander Meier zur Wehr: «Lucentis hat nur eine Zulassung für das Medikament in der Durchstechflasche.» Wenn Novartis Fertigspritzen in Verkehr bringen wollten, bräuchten das Unternehmen dazu eine Veränderungsgenehmigung. «Das wäre nicht trivial.»

(ama/vst)