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Pharma
Novartis legt bei Malariaforschung nach

Kind mit Malaria
Ein Kind mit Malaria: Novartis will dagegen ankämpfen. Quelle: Keystone .

Novartis investiert in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Dollar in neue Malariamedikamente. Bei den etablierten Präparaten zeigen sich erste Resistenzen.

Von Seraina Gross
am 25.04.2018

Die Nachricht trägt die Handschrift des neuen Konzernchefs Vas Narasimhan: Novartis verstärkt sich Engagement bei der Bekämpfung von Malaria und wird in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Dollar in die Malariaforschung stecken. Wirkstoffresistenzen seien die grösste Bedrohung für die «unglaublichen Fortschritte», die in den vergangenen zwanzig Jahren bei der Bekämpfung von Malaria erzielt worden seien, lässt sich der neue Konzernchef zitieren.

Enorme Fortschritte

Bei der Bekämpfung von Malaria wurden in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt. Die Malaria-bedingte Sterblichkeit konnte zwischen 2000 und 2015 um über 60 Prozent reduziert werden. Trotzdem, auch heute stirbt weltweit noch immer alle zwei Minuten ein Kind an Malaria. Bei Kindern unter fünf Jahren ist das Risiko, sich mit Malaria zu infizieren und daran zu erkranken, besonders hoch.

Mehr noch: Nach Jahren des Rückgangs stieg die Zahl der Malariafälle von 2015 auf 2016 wieder an. Gemäss dem World Malaria Report 2017 kam es 2016 weltweit zu 216 Millionen Erkrankungen, gegenüber 211 Millionen Fällen im Jahr 2015. Die Zahl der malariabedingten Todesfälle stieg um gleichen Zeitraum von 438'000 auf 445'000.

Besonders beunruhigend ist, dass der Malaria-Parasit erste Resistenzen gegen Artesiminin und andere etablierte Malariamedikamente zeigt. Die schlechte Nachricht kam dabei als erstes aus Kambodscha. Das südostasiatische Land gilt als Vorreiter bei der Resistenzbildung bei Malaria; warum, ist in der Wissenschaft nicht gesichert. «Wenn sich in Kambodscha erste Resistenzen bilden, muss man damit rechnen, dass sich diese mit der Zeit auf andere Länder ausbreiten werden», sagt Lutz Hegemann, der bei Novartis für die Tropenmedizin zuständig ist. Inzwischen melden auch andere asiatische Länder Fälle von Resistenzen.

Immer mehr Resistenzen

Befürchtet wird, dass sich die Resistenzen wegen der zunehmenden Reiseaktivitäten zwischen Asien und Afrika schneller als früher auch auf dem afrikanischen Kontinent ausbreiten könnten, wo die Malaria noch immer eines der grössten Probleme der öffentlichen Gesundheit ist. 90 Prozent der malariabedingten Todes- und Krankheitsfälle werden in der Region südlich der Sahara verzeichnet. Andere Wissenschaftler warnen vor einer unabhängigen Resistenzbildung auf dem afrikanischen Kontinent. Das New England Journal of Medicine berichtete vor einem Jahr von ersten Anzeichen einer verminderten Wirksamkeit der Malaria-Medikamente in Afrika. Die Folgen wären verheerend.

Novartis setzt deshalb auf eine neue Generation von Medikamenten, deren Wirkungsmechanismen sich grundsätzlich von den bisherigen unterscheidet. Im Vordergrund stehen die beiden Produktkandidaten KAF 156 und KAE 609. Beide Wirkstoffe könnten sich als Gamechanger in der Bekämpfung von Malaria erweisen. Grosse Hoffnungen ruhen auf auf KAF 156, einem Wirkstoff aus der Familie der Imidazolpiperazine. Er bekämpft den Parasiten in verschiedenen Stadien seines Lebenszyklus im menschlichen Körper – insbesondere auch in der Leber und im Blut. Das heisst, der Wirkstoff ist nicht nur vielversprechend für die Heilung infizierter Patienten; er wirkt auch prophylaktisch und kann  die Infektionskette durchbrechen.

Ermutigende Resultate

Dieser Tage hat Novartis an der 7. Pan African Malaria Conference in Dakar erste Resultate einer Patientenstudie mit KAF 156 präsentiert. Die Konferenz findet alle vier Jahre statt und ist der grösste wissenschaftliche Kongress zu Malaria. Die Resultate zeigen, dass das Medikament in Malariapatienten eine gute Wirksamkeit entfaltet und aufgrund seiner hohen Aktivität eine kürzere als die derzeit übliche Therapiedauer ermöglichen könnet. «Wir sind sehr zuversichtlich», sagt Lutz Hegemann.

Die Studie wird in neun Ländern in Afrika und Asien durchgeführt und sie testet den Wirkstoff in Kombination mit einer neuen, verbesserten Formulierung des etablierten Malariawirkstoffs Lumefantrin. Lutz Hegemann rechnet damit, dass die Wirkstoffe in fünf Jahren marktreif sein könnte.

Zudem engagiert sich der Pharmakonzern im Aufbau von Strukturen, die – auch in abgelegenen Gebieten – den Zugang zur Malaria verbessern. So hat der Konzern etwa die App «SMS for Life» lanciert, die es Gesundheitsdiensten in Afrika ermöglicht, die Lagerbestände an Malaria-Medikamenten einfach zu managen und Über- und Unterbestände zu vermeiden.

Die Malariabekämpfung gehört zur DNA von Novartis. Das 1999 auf den Markt gebrachte und 2001 in einer Formulierung für Kinder lancierte Coartem ist noch immer Standard der Malaria-Bekämpfung.

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