Novartis-Chef Joe Jimenez will beim anstehenden Umbau des Schweizer Pharmariesen hart durchgreifen. Mindestens eine der auf dem Prüfstand stehenden kleineren Sparten - Impfstoffe und Diagnostik, nicht verschreibungspflichtige Medikamente (OTC) und Tiergesundheit - werde den Test nicht überstehen, sagte er in einem Reuters-Interview und gab damit den bisher deutlichsten Hinweis darauf, wie die Portfolio-Überprüfung vorangeht.

«Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir alle diese drei Sparten zu globaler Grösse führen könnten, aber das ist unwahrscheinlich», sagte Jimenez. Die drei Bereiche machen zusammen nur 10,5 Prozent des Konzernumsatzes bei Novartis aus. Die Überprüfung soll Ende des Sommers abgeschlossen sein.

Verkaufen oder Tauschen

Welcher der drei Sparten die grösste Gefahr droht, sagte der Novartis-Chef nicht. Er betonte allerdings, dass das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten in den nächsten zehn Jahren kräftig wachsen werde, weil der Trend wegen der hohen Arztkosten zur Selbstbehandlung gehe.

In einem ersten Schritt hatte Novartis bereits im November das Geschäft mit Bluttransfusions-Diagnostik an die spanische Grifols verkauft. Eine einfache Veräusserung ist auch eine Option für die verbleibenden kleineren Bereiche, aber Novartis erwägt auch andere Schritte: «Die meisten dieser Geschäfte sind Teil anderer Konzerne. Um daraus etwas Grosses zumachen, muss man kooperieren - entweder über ein Joint Venture oder durch einen Tausch», erläuterte Jimenez und bestätigte, dass er im Gespräch mit anderen Unternehmen sei.

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Milliarden-Zukäufe möglich

Im Januar hatte Reuters von Insidern erfahren, dass Novartis einen Tausch seiner Impf- und Tiergesundheitssparten gegen das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten des US-Konzerns Merck auslote. «Bares Geld ist weniger attraktiv als der Aufbau eines weltweit führenden Geschäfts, das Wert schafft. Bargeld kann das nicht», sagte der Novartis-Chef dazu. «Das ist der Grund, warum man soviel über den Tausch von Sparten liest. Allerdings ist die Umsetzung sehr, sehr schwierig.»

Die drei grossen, nicht in Frage stehenden Bereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika will Jimenez weiter ausbauen. Ergänzende Zukäufe könnten in der Grössenordnung von zwei bis fünf Milliarden Dollar liegen, sagte er. Der boomende Biotechnologiemarkt treibe allerdings die Preise in die Höhe.

Ein spannendes Feld ist derzeit die Immuntherapie, in das auch Novartis vorstossen will - zuletzt mit der Übernahme der US-Biotechnologiefirma CoStim. Für die in der Entwicklung befindliche Krebs-Therapie Cart-19 strebt Novartis Jimenez zufolge einen Zulassungsantrag 2016 an.

(reuters/dbe)