Die Europäische Zentralbank EZB hat zum Wochenauftakt über die Krisenfestigkeit der Banken der Eurozone gerichtet. Um den Kriterien zu entsprechen, mussten viele Geldhäuser im letzten Jahr erheblich Umbauten vornehmen. Bei den Pharmakonzernen gibt es dagegen keine offizielle Instanz, die den Daumen hebt oder senkt – und doch ist der Druck in der Branche durch die Patentklippe vergleichbar.

Scheinbar im Gegensatz dazu stehen die aktuellen Zahlen von Novartis: Der Basler Pharmariese hat im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese sagten im Schnitt ein operatives Ergebnis von 2,5 Milliarden Dollar voraus – rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Basler Pharmariese lag sogar noch ein Prozent darüber bei 2,98 Milliarden Dollar. Unter dem Strich erzielte Novartis einen Reingewinn von 3,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Gewinnplus von 45 Prozent.

«Starkes Quartal für Novartis»

«Insgesamt war es ein starkes Quartal für Novartis», schreibt die Berenberg Bank in einem Kommentar und erwartete eine positive Reaktion an den Märkten. Die Anleger reagierten denn auch entsprechend: Der Kurs der Novartis-Aktien legte am Vormittag um 2,5 Prozent zu auf 87,85 Franken.

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Dabei setzt die grosse Zahl an auslaufenden Patenten Novartis stärker zu als etwa Konkurrenten Roche. Im dritten Quartal geriet Novartis im wichtigen US-Markt in Bedrängnis, weil beim Blutdrucksenker Diovan der Patentschutz abgelaufen ist. Der Betriebsgewinn der Pharma-Division schrumpfte um 1 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Die Generika-Konkurrenz zum Erfolgsmedikament war ein wichtiger Faktor, warum Analysten das Unternehmen Anfang Jahr unter Druck sahen. 

Geglückter Konzernumbau

Doch der Milliardenumbau, den Novartis angegangen ist, hält den Konzern auf Kurs. Im April gab das Unternehmen den Verkauf der Impfstoffsparte und im Gegenzug die Übernahme des Onkologiebereiches von GlaxoSmithKline bekannt, sowie den Verkauf der Tiermedizin. Der gelungene Spartentausch ist laut Aktienanalyst Rustem Bektenov von der Privatbank Notenstein einer der Gründe, warum der Konzern auf gutem Wege ist. «Novartis wird in der Lage sein, die Patentklippe erfolgreich zu meistern», sagt Bektenov gegenüber Handelszeitung.ch.

Der zweite Grund sind die nächsten Blockbuster, die Novartis in der Pipeline hat. An erster Stelle steht dabei das Herzmedikament LCZ696. CEO Joseph Jimenez erwartet von dem Medikament ein Umsatzpotenzial von zwei bis fünf Milliarden Dollar. 

Klinischen Studien zufolge starben bei einer Behandlung mit dem Arzneimittel ein Fünftel weniger Patienten mit chronischer Herzschwäche an Kreislaufproblemen als bei der Einnahme einer älteren Arznei. Jimenez rechnet mit einer Zulassungsentscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA gegen Jahresende. 

Weitere wichtige Medikamente in der Pipeline

Und der Konzern hat noch weitere wichtige Medikamente in der Hinterhand, etwa das Brustkrebsmittel LEE001. Bektenov schätzt dieses als potenzielles Blockbuster-Medikament ein. «Zugleich beinhaltet die von GlaxoSmithKline übernommenen Onkologie-Produkte einige interessante Medikamente», so der Analyst.

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Die neuen Mittel stehen für eine weitere wichtige Veränderung bei Novartis: Das Unternehmen ruht nicht länger auf seinen Blockbustern aus, sondern steckt Geld in Innovationen. Der Pharmariese zählt mit seinen Ausgaben für Forschung & Entwicklung zu den Top Ten der Welt, wie eine aktuelle Studie von Strategy& zeigt (siehe Bildergalerie). Er liegt mit Rang sechs nur noch einen Platz hinter Roche und investiert fast die gleiche Summe: Novartis hat 2014 rund 9,9 Milliarden Dollar für F&E ausgegeben, Roche 10 Milliarden. Im Jahr zuvor lagen die beiden Konzerne noch beinahe eine Milliarde Dollar auseinander.

 

Mit Material von sda und reuters.