Novartis kaufte von der australischen nationalen Wissenschaftsagentur CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) ein Antipiraterie-Produkt, ein so genannter «unsichtbarer» chemischer Tracer, der Millionen von Ampullen des Schmerzmittels Voltaren gegen Fälschungen sichern sollte.

Die Antipiraterie-Lösung wurde an Novartis von DataTrace DNA vor zwei Jahren verkauft - DataTrace war ein Joint-Venture zwischen CSIRO und der börsenkotierten DataDot Technology. Der Deal war auf fünf Jahre angelegt.

Massenware als Eigenentwicklung getarnt

Nun zeigt eine Recherche von «The Sydney Morning Herald», dass Novartis das Produkt verkauft wurde, obwohl die höchste Ebene bei CSIRO und DataDot wusste, dass der Code einfach geknackt werden kann und für die Sicherung der Voltaren-Ampullen nicht tauglich ist. Interne Warnungen wurden Novartis bewusst verschwiegen, um den Deal erfolgreich über die Bühne zu bringen.

So gaben die Spitzen der australischen Unternehmen gegenüber Novartis an, ihre Antipiraterie-Lösung sei eine teure, für den Pharmagigant konstruierte Eigenentwicklung und behaupteten gegenüber den Baslern, die Formel sei ein Geschäftsgeheimnis.

In Tat und Wahrheit kauften die Australier die wichtigsten Komponenten als Massenware von einem Händler in China ein, die Technik wurde von diversen Firmen eingesetzt und war nie für sicherheitsrelevante Anwendungen gedacht.

Anzeige

Börse setzt Aktien aus

Der Deal belief sich laut «The Sydney Morning Herald» auf 2,5 Millionen australische Dollar. Nun sind Hunderte Millionen Voltaren-Ampullen mit der untauglichen Lösung der Australier «geschützt».

Die Aktien von DataDot Technology wurden an der australischen Börse ausgesetzt. Novartis Australien bestätigte, dass man eine interne Untersuchung eingeleitet habe. Die betroffenen Antipiraterie-Kämpfer der DataDot versprachen bis spätestens den 15. April ein Statement zu den Recherchen von «The Sydney Morning Herald». Auch CSIRO versprach über Twitter Aufklärung.

Der Antipiraterie-Markt wird immer wichtiger. Erst vor wenigen Wochen gaben Pharmafirmen wie Novartis bekannt, gemeinsam mit Interpol eine Fachgruppe gebildet zu haben und die internationale Polizeibehörde auch finanziell zu unterstützten.