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Novartis-Mitarbeiter in Südkorea angeklagt

Novartis-Labor: Flossen Schmiergelder? Keystone

Novartis ist bereits mit diversen Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Jetzt werden diverse Verwicklungen in Südkorea offenbar.

Veröffentlicht am 11.08.2016

Dem bereits mit einer Reihe von Bestechungsvorwürfen konfrontierten Schweizer Pharmakonzern Novartis droht in Südkorea ein weiterer Schmiergeldskandal. Der Arzneimittelhersteller aus Basel räumte am Donnerstag regelwidriges Verhalten einiger Mitarbeiter in dem südostasiatischen Land ein. So seien etwa Ärzten Reisen zu Kongressen ins Ausland bezahlt worden. Das hätten interne Ermittlungen ergeben, nachdem Novartis von der Staatsanwaltschaft informiert wurde. «Novartis toleriert kein Fehlverhalten», erklärte der Konzern und kündigte erhebliche Anstrengungen an, damit bei der Korea-Tochter die Regeln eingehalten werden.

Novartis bestätigte Medienberichte, wonach die Staatsanwaltschaft gegen sechs derzeitige und frühere Beschäftigte Anklage erhoben hat. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte unter Berufung auf Brancheninsider berichtet, dass insgesamt 23 Personen angeklagt wurden, darunter Verleger von medizinischen Fachpublikationen und Ärzte. Die Staatsanwaltschaft war ausserhalb der Geschäftszeiten nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Nicht äussern wollte sich Novartis dazu, ob dem Konzern ein Verkaufsverbot für verschiedene Medikamente droht, wie es die «Financial Times» berichtete.

Vergleichszahlung von mehr als 25 Millionen Dollar

Es sind nicht die ersten Bestechungsvorwürfe gegen Novartis. Anfang April hatte die Justiz in der Türkei wegen Schmiergeldvorwürfen Ermittlungen gegen die türkische Tochter des Arzneimittelherstellers eingeleitet. Ende März legte Novartis in den USA ein zivilrechtliches Verfahren wegen des Vorwurfs von Schmiergeldzahlungen in China mit einer Vergleichszahlung von mehr als 25 Millionen Dollar bei. Im vergangenen Jahr regelte das Unternehmen in den USA einen Fall, in dem es um Schmiergeldzahlungen an Apotheken ging, mit einer Zahlung von 390 Millionen Dollar. Noch anhängig ist ein Verfahren des US-Justizministeriums gegen Novartis, in dem es um teure Essen und hohe Rednerhonorare für Ärzte geht.

Novartis hat nach früheren Aussagen von Konzernchef Joseph Jimenez ausreichend Geld für Rechtsrisiken zur Seite gelegt. Viele der Fälle hätten sich Anfang der 2000er-Jahre zugetragen und seien Altlasten, sagte der Amerikaner im April. Aussendienstmitarbeiter würden trainiert und Fehlverhalten unterbunden. Im Mai ernannte Novartis Shannon Klinger zum Chief Ethics and Compliance Officer, nachdem ihr Vorgänger nach 27 Jahren bei dem Arzneimittelhersteller in Pension ging.

(reuters/me)

 

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