Novartis ist vom Landgericht Hamburg aufgefordert worden, seine Klage gegen die deutsche Arzneimittelfirma Aposan abzuändern und die europäische Rechtssprechung einzubeziehen. Das teilte eine Gerichtssprecherin am Dienstag mit. In der aktuellen Form sei der Antrag von Novartis unbegründet. Die Aufforderung ging per Hinweisbeschluss zu. Das Landgericht Hamburg setzte für den 8. Oktober einen weiteren Verhandlungstermin an.

In dem Streit geht es darum, ob eine Tochterfirma von Aposan das teure Augenmittel Lucentis von Novartis in kleinere, bedarfsgerechte Fertigspritzen umfüllen und vertreiben darf. Für den Basler Konzern steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Novartis erwirtschaftete mit Lucentis 2012 weltweite Umsätze von 2.4 Milliarden Dollar. Die Flüssigarznei wird zur Bekämpfung der altersbedingten Netzhautdegeneration - im Fachjargon AMD genannt - eingesetzt.

Aposan verkauft Lucentis für die Hälfte

Lucentis kostet in Deutschland pro Flasche umgerechnet etwa 1480 Franken - Aposan füllt das Präparat in günstigere, kleine Einwegspritzen um, die dann nur die Hälfte kosten. Bei Verabreichung der teuren Novartis-Originalarzei müssen Ärzte nach Aufziehen der Spritze einen grossen Teil der Flasche mit dem Wirkstoff wegwerfen. Der Gerichtsstreit wird daher auch von den Krankenkassen genau verfolgt.

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«Wir können jetzt so weitermachen wie bisher auch», sagte Clemens Künzer, Geschäftsführer und Gründer von Aposan zu dem Beschluss. Novartis erklärte, das Gericht habe dem Konzern die Möglichkeit gegeben, zu einzelnen Aspekten ergänzend vorzutragen.

Auch EuGH wurde eingeschaltet

Um die grundsätzliche Frage zu klären, ob für das Umfüllen eine eigene Zulassung erforderlich ist, hatte sich das Landgericht bereits an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gewandt. Dieser entschied im April, dass dies erlaubt sei, wenn der Wirkstoff beim Umfüllen nicht verändert wird und das Umfüllen nur auf Rezept geschieht. Ob Aposan diese Voraussetzungen erfüllt, muss das Hamburger Landgericht klären.

(sda/moh)