Der globale Markt für Impfstoffe könnte laut Schätzungen von Branchenbeobachtern bis 2010 ein Volumen von über 20 Mrd Dollar erreichen. Davon will sich auch der Basler Pharmakonzern Novartis ein möglichst grosses Stück sichern. Heute ist das Unternehmen nach Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline, MSD und Wyeth erst die weltweite Nummer fünf der Branche. Die genannten Firmen teilen sich momentan 80% des Marktes. Doch Jörg Reinhard, Chef der Impfstoff- und Diagnostik-Divison von Novartis, hat «ehrgeizige» Wachstumsziele: «Wir wollen eines der drei führenden Unternehmen im Impfstoffmarkt werden – und zwar innerhalb der nächsten fünf Jahre», sagte er zu Jahresbeginn (siehe auch Infokasten).

Zugriffe auf zehn Impfstoffe

Dazu beitragen soll nicht zuletzt eine umfassende Kooperation mit der österreichischen ImpfstoffFirma Intercell. Das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern ist seit 2005 an der Wiener Börse kotiert und forscht an Impfstoffen der «nächsten Generation», wie sich CEO Gerd Zettlmeissl im Gespräch mit der «Handelszeitung» ausdrückt.

Seit Juli 2007 besteht zwischen den beiden Unternehmen eine enge Verflechtung – sowohl inhaltlich als auch finanziell. Novartis erhielt dabei etwa eine exklusive Lizenz für einen Intercell-Impfstoff gegen Grippe. Ausserdem vereinbarten Reinhardt und Zettlmeissl eine gemeinsame Entwicklung von therapeutischen Impfstoffen gegen Hepatitis C. Insgesamt hat Novartis nun Zugriff auf zehn Impfstoff-Kandidaten von Intercell.

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Wunsch, aber kein Zwang

Im Gegenzug hat Novartis ihre Beteiligung an Intercell mehr als verdoppelt und ist mit einem Anteil von rund 16% grösste Investorin der Österreicher. «Es war unser Wunsch, aber nicht unsere Bedingung, dass sich Novartis auch finanziell an uns beteiligt», sagt Zettlmeissl. Man sei auf Novartis gekommen, weil das Unternehmen im Bereich von Impfstoffen gegen Grippe und Hepatitis C «weltweit führend» sei. Indirekt gibt Zettlmeissl aber zu, dass für ihn eine weitere Beteiligung der Basler in Ordnung ginge: «Ich rechne damit, dass Intercell auch in Zukunft weiteren Wert für alle Investoren schaffen kann. Daher sollten sich Zukäufe für bisherige wie auch potenzielle Aktionäre lohnen», sagt der Intercell-CEO.

Mit Kollaboration «zufrieden»

Novartis hingegen scheint momentan keine Pläne für ein stärkeres finanzielles Engagement zu haben: «Wir sind mit unserer Kollaboration zufrieden», sagt Jörg Reinhardt auf Anfrage. «Es liegt im Interesse beider Firmen, dass Intercell weiterhin als unabhängige Firma agiert, um das Potenzial ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auszuschöpfen.»

Auch Intercell bekräftigt den Willen zur Selbstständigkeit; deshalb habe Novartis auch keinen Sitz im Verwaltungsrat der Wiener. «Wir haben damit einen weltweit neuen Ansatz der Zusammenarbeit zwischen ‹Big Pharma› und ‹Small Biotech› kreiert», betont Gerd Zettlmeissl.

Beträge in Milliardenhöhe

Durch die Kooperation mit Novartis erhielt Intercell bisher 270 Mio Euro. 230 Mio Euro wurden 2007 überwiesen, dieses Jahr werden die restlichen 40 Mio Euro folgen. Die gesamten Meilenstein- und Lizenzzahlungen der zeitlich grundsätzlich unbeschränkten Kooperation könnten laut Analysten in Zukunft aber noch in die Milliardenhöhe gehen.

Momentan bestehen laut Gerd Zettlmeissl keine Pläne für eine Zweitkotierung der Papiere seines Unternehmens. «Für die Zukunft schliessen wir dies aber nicht aus», sagt er. Dann könnte auch die Schweizer Börse (SWX) ein möglicher Börsenplatz für solch ein paralleles Listing sein.