Die Generika-Division Sandoz des Pharmakonzerns Novartis gehört zu den weltweit grössten Herstellern von Nachahmermedikamenten. Sandoz muss sich allerdings immer stärker gegen Konkurrenten wie Teva (aus Israel), Actavis (aus Island), Ranbaxy oder Dr. Reddys (beide aus Indien) wehren, die ebenfalls von der zunehmenden Nachfrage nach Generika profitieren wollen.

Laut Analysten dürfte der weltweite Generikamarkt bis im Jahre 2012 auf 123 Mrd Dollar anwachsen. 2007 betrug das Marktvolumen noch 79 Mrd Dollar. Zum Vergleich: Sandoz erzielte 2007 einen Umsatz von rund 7,2 Mrd Dollar. Bis 2013 soll er jedes Jahr um 9% zulegen.

Neuer Wachstumsschub?

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Sandoz vermehrt auf sogenannte «Biosimilars». Dies sind Nachahmerprodukte von modernen, biotechnologisch hergestellten Originalmedikamenten. Weil deren komplexe Herstellungsprozesse kaum kopierbar sind, spricht man aber nicht von (vergleichbaren) Generika, sondern (änlichen) Biosimilars.

«Biosimilars spielen eine zentrale Rolle in Bezug auf das Wachstum und die Zukunft von Sandoz», betont Stefan Prebil, Chef von Sandoz Schweiz. Das Unternehmen habe deshalb eine spezielle Geschäftseinheit gegründet. «Diese Business-Unit beschäftigt weltweit 700 Mitarbeitende und teilt mit der Pharma-Divison von Novartis eine Herstellerplattform», sagt Prebil am Rande eines Kongresses in Stockholm zur «Handelszeitung».

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Mit Omnitrope (gegen Wachstumsstörungen) und Binocrit (gegen Blutarmut) hat Sandoz mittlerweile zwei Biosimilars auf dem Markt. Diese sind in der EU seit 2006 zugelassen; in der Schweiz könnte eine erste Bewilligung noch im laufenden Jahr erfolgen.

Der Grund für den Effort von Sandoz ist klar: Der Markt für klassische Generika ist hart umkämpft, entsprechend unter Druck sind Margen und Gewinne. Weil die Produktion eines Biosimilars deutlich teurer ist und durch wissenschaftliche Studien untermauert werden muss, können höhere Verkaufspreise verlangt werden.

25 laufende Projekte

Aus «Wettbewerbsgründen» will Stefan Prebil keine Aussagen zu den Umsätzen der Biosimilars von Sandoz machen. Gemäss dem Marktforschungsfirma IMS Health betrug der Umsatz von Omnitrope 2006 über 2 Mrd Dollar. Bis Ende 2008 will Sandoz insgesamt 25 Biosimilars-Studienprojekte am Laufen haben. Dem Vernehmen nach soll sich darunter auch ein mögliches Nachahmermittel des Krebsmittels Herceptin von Roche befinden. Sandoz will dies nicht kommentieren.

Diese Nachricht dürfte Roche aufhorchen lassen. Denn das Brustkrebsmittel war mit einem Umsatz von über 4,8 Mrd Fr. im vergangenen Geschäftsjahr das umsatzmässig zweitwichtigste Produkt des Unternehmens. Roche untersucht gerade, ob das Mittel auch gegen Magenkrebs wirkt.

Roche hat nichts dagegen

«Es ist klar festzuhalten, dass wir uns nicht gegen die Einführung von Biosimilars stellen», sagt Roche-Sprecher Alexander Klauser. Er sieht aber keine grosse Gefahr für das Mittel, das in Europa bis 2014 und in den USA bis 2017 geschützt ist. «Nur geringste Abweichungen vom Herstellungsprozess genügen, um dem Molekül die Wirkung zu entziehen», sagt Klauser. Das nachgeahmte Produkt sei deshalb «nie gleich, sondern höchstens ähnlich». Roche hege auch keine Pläne, eine eigene Biosimilars-Einheit aufzubauen.

Beschwichtigen und Schweigen

Offiziell fürchtet man sich auch bei Amgen, dem weltweit grössten Biotechunternehmen, nicht vor der Konkurrenz durch Biosimilars. «Wir glauben, dass die finanziellen Auswirkungen limitiert sein werden», sagt Marie Fay, Sprecherin am Europasitz in Zug. Fakt ist aber, dass sich das Sandoz-Biosimilar Binocrit zu einer Konkurrenz für das Amgen-Medikament Aranesp entwickeln dürfte.

Auch die US-Biotechfirma Biogen Idec ist in Zug ansässig und leitet von dort aus ihre Geschäfte ausserhalb der USA. Ihre beiden Mittel Avonex und Tysabri gegen Multiple Sklerose könnten ebenfalls Konkurrenz durch Biosimilars erhalten. Entsprechende Anfragen blieben aber unbeantwortet.