Der Basler Pharmakonzern Novartis (Aktienkurs Novartis) hat im zweiten Quartal einen Reingewinn von 2,73 Milliarden Dollar erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Unternehmen mit Sitz in Basel damit seinen Gewinn um 12 Prozent gesteigert.

Den Umsatz konnte der Konzern um 27 Prozent auf 14,92 Milliarden Dollar steigern. Allerdings hat beim ausgewiesenen Umsatzwachstum der schwache Dollar kräftig mitgeholfen. In Lokalwährungen gerechnet wäre der Wert der verkauften Medikamente, Arzneien und Augenheilprodukte um 19 Prozent gestiegen.

Damit hat Novartis die Markterwartungen beim Umsatz übertroffen und beim Reingewinn verfehlt. Analysten hatten im Vorfeld gemäss des Konsens der Nachrichtenagentur AWP mit einem Umsatz von 14,65 Milliarden Dollar gerechnet sowie einem Reingewinn von 2,89 Milliarden.

Die Novartis-Aktien setzten sich an die Spitze der SMI-Kursliste. Sie legten bis um 9.55 Uhr um 3,2 Prozent auf 51,05 Franken zu. Am Vortag hatte der Titel allerdings noch um 1,4 Prozent im Minus geschlossen. Der Gesamtmarkt (SMI) liegt 1,08 Prozent im Plus.

Sandoz mit mehr Umsatz aber schlechterem Ergebnis

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In seiner grössten Sparte, dem Pharmabereich, hat Novartis ein Umsatzwachstum von 10 Prozent in Dollar respektive 2 Prozent in Lokalwährungen erzielt. Es belief sich auf 8,34 Milliarden Dollar, wie es in einer Medienmitteilung hiess. Das Spartenergebnis ist um 23 Prozent auf 2,79 Milliarden Dollar gestiegen.

Für die Alcon-Sparte, welche neu aus dem kürzlich übernommenen Augenheilkonzern Alcon sowie dem einstigen Kontaktlinsengeschäft gebildet wurde, weist Novartis einen Umsatz von 2,63 Milliarden Dollar aus. In einem Pro-Forma-Vergleich hätte Alcon seinen Umsatz um 12 Prozent steigern können. Der Gewinn des Alcon-Bereichs betrug 371 Millionen Dollar.

In der Generika-Sparte Sandoz konnte der Umsatz schliesslich um 25 Prozent auf 2,47 Milliarden Dollar gesteigert werden. Das Spartenergebnis sank leicht um 2 Prozent auf 283 Millionen Dollar.

Jimenez will Alcon-Schulden abbauen

Für Novartis-Chef Joseph Jimenez hat der Schuldenabbau nach der Übernahme des Augenmittelherstellers Alcon nun Vorrang. Der Kauf des amerikanischen Unternehmens bürdet Novartis hohe Abschreiber auf, wie die Zahlen deutlich machen.

Zudem stiegen die Schulden des Novartis-Konzerns zwischen Ende Juni 2010 und Ende Juni 2011 um 7 auf knapp 22 Milliarden Dollar. Zum anvisierten Abbau der Nettoverschuldung wollte Jimenez während einer Telefonkonferenz am Morgen keinen Zeitplan nennen.

Der Zufluss liquider Mittel habe sich im zweiten Quartal aber merklich erhöht, betonte der Novartis-Chef. Der Free Cash Flow, der Aussagen über die finanzielle Solidität des Unternehmens erlaubt, stieg bei Novartis in den Monaten April bis Juni um 39 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar.

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Zudem biete der Alcon-Kauf auch hohes Synergiepotenzial, sagte Jimenez. Dabei könnten mehr als die bisher angepeilten 300 Millionen Dollar pro Jahr eingespart werden, so der Konzernchef.

Analysten sprechen von «solidem zweiten Quartal»

Die Reaktionen von Analysten auf das Quartalsergebnis sind positiv, wenn auch nicht euphorisch: Mehrfach wird von einem «soliden Ausweis» gesprochen. Das starke Konzernumsatzwachstum sei allerdings nicht zuletzt durch Sandoz und Alcon erzielt worden, heisst es im Kommentar der ZKB. Die Pharmadivision habe aber auch in Europa trotz hoher Preisreduktionen mit neuen Produkten wie Onbrez, Gilenya, Tasigna, Lucentis und Afinitor wachsen können.

Die Bank Wegelin lobt ebenfalls das Gesundheitsportfolio des Konzerns. So sei es erfreulich, dass die jüngst eingeführten Produkte einen Zuwachs von 46 Prozent hätten verzeichnen können. Das «Substanzpapier mit defensiven Qualitäten» sollte weiterhin oben auf der Einkaufsliste der Investoren stehen, meinen die Kommentatoren der Ostschweizer Bank.

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Novartis habe die erste Generikakonkurrenz für Diovan in Europa mit anderen Produkten wie auch der Alcon-Akquisition kompensieren können, stellt auch der Experte der Bank Vontobel fest, der die Ergebnisse «im Einklang mit den Erwartungen» sieht. Keine Überraschungen sieht auch die Bank Unicredit, die ihre Umsatz- und EPS-Erwartungen bestätigt sieht. Die Gruppenmargen seien durch die akquirierte Alcon «gerettet» worden.

 

(tno/sda)