Zwillinge sind im deutschen Markt für günstige Nachahmer-Produkte (Generika) ein Erfolgsgarant: Marktführer Ratiopharm hat mit Zwillingsschwestern vor der Werbe-Kamera einen ungeheueren Popularitätszuwachs erzielt. Auch die Nummer zwei der Branche, Hexal, hat mit Geschwistern Erfolg - allerdings an der Konzernspitze. Vor 16 Jahren starteten die beiden Zwillingsbrüder Thomas und Andreas Strüngmann in einem Einfamilienhaus am Tegernsee mit der Hexal AG ihre Aufholjagd im Generika-Markt. Mittlerweile ist aus dem Unternehmen mit 22 Mann ein weltweit tätiger Konzern geworden mit 4400 Mitarbeitenden. Für 2004 wird ein Umsatz von rund 1,4 Mrd Euro angepeilt.
*Richtungweisender Festtag*
Die Strüngmanns sind damit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Und in diesen Tagen feiern die Brüder nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch ihren 55. Geburtstag. Es ist möglicherweise ein richtungweisender Festtag. Denn glaubt man Bekannten, so haben die Brüder in der Vergangenheit stets verkündet: «Mit 55 Jahren ist Schluss.» Die Verhandlungen mit dem Schweizer Pharma-Konzern Novartis über den Hexal-Verkauf passen da ins Bild, auch wenn sie weder bestätigt noch dementiert wurden. Immerhin: Schon vor zwei Jahren unternahmen die Basler einen ersten Anlauf. Doch der Verkauf scheiterte am Preis. Im Herbst 2004 dann ein neuer Versuch von Novartis, um die strategischen Probleme der deutschen Sandoz-Tochter durch eine Übernahme zu lösen. Selbst vor Ort in Deutschland haben sich die Novartis-Manager einen Überblick über den Konzern verschafft. Und bei dem Kauf soll es sich um ein grösseres Paket handeln, als bisher bekannt ist. Nach Informationen der «HandelsZeitung» wird dabei nicht nur über die Hexal AG als Kernstück verhandelt, sondern auch über den Kauf der Nummer 14 auf dem deutschen Generika-Markt, 1A Pharma (Umsatz 50 Mio Euro), und des US-Konkurrenten Eon Labs gesprochen. Die Strüngmann-Brüder halten mittelbar die Mehrheit an dem Konzern, der in New York gelistet ist. Demnach dürfte sich auch der Verkaufspreis auf bis zu 4,5 Mrd Euro erhöhen, den die Schweizer oder andere Unternehmen auf den Tisch legen müssten. Neben Novartis gibt es noch weitere Interessenten für Hexal. Ob es zu einem Verkauf kommt, ist offen. Streitpunkt soll erneut der Preis sein. In einem internen Memorandum vom 31. Januar 2005 bestätigen die Brüder Strüngmann, dass sie einen Verkauf oder eine Fusion mit einem anderen Unternehmen zurzeit prüfen.
*Neue Arbeit für einen Zwilling*
Aufs Altenteil wird sich trotzdem wohl nur Andreas Strüngmann nach einem Verkauf zurückziehen. Seinem umtriebigen Bruder Thomas traut man dies nicht zu. Vorsorglich wurde wohl deshalb schon ein neues Betätigungsfeld aufgemacht: Im April 2004 wurde die kleine Südwestbank aufgekauft.