Der Basler Pharmakonzern Novartis steht laut einem Bericht des «Spiegel» im Verdacht, einen umstrittenen Grippeimpfstoff mit einem Trick auf dem deutschen Markt durchsetzen zu wollen.

Seit Wochen gebe es Lieferschwierigkeiten für den klassischen Impfstoff Begripal, schreibt das Magazin. Die Krankenkassen, die mit Novartis einen Exklusivvertrag für die Bundsländer Hamburg und Schleswig-Holstein geschlossen haben, benötigen demnach 700'000 Dosen - doch Novartis liefere keine ausreichende Menge. Als Ersatz biete die Firma den umstrittenen Impfstoff Optaflu an, so der «Spiegel»

«Das ist eine Einführung durch die Hintertür», wird Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen Arznei-Telegramm zitiert. Optaflu werde nicht nach dem klassischen Verfahren in Hühnereiern gezüchtet, sondern in speziell präparierten Tumorzellen von Hunden. «In den Zellen sind Genbruchstücke enthalten, die immer noch Krebsinformationen enthalten können», so der Berliner Arzt und Apotheker.

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Die Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, erklärt laut «Spiegel», Optaflu sei schon in 100'000 Fällen ohne Komplikationen eingesetzt worden. Becker-Brüser kritisiert hingegen, dass in einer Studie nur 4000 Personen untersucht worden seien - und dies bereits ein halbes Jahr nach der Impfung. «Will man eine mögliche Krebsgefahr ausschliessen, muss man die Versuchspersonen viel länger beobachten», sagt der Experte.

Novartis wies zufolge auf Nachfrage darauf hin, 200'000 Dosen ausgeliefert zu haben, machte aber keine Angaben dazu, um welchen Impfstoff es sich bei diesen Lieferungen handelte. 

Deutlicher Umsatzrückgang in den USA erwartet

Derweil dürfte das Ende September abgelaufene US-Patent für den Umsatzrenner Diovan Novartis drei schwierige Quartale bescheren. In der zweiten Hälfte 2013 sollte dieser Effekt aber verpufft sein, sagte Novartis-Chef Joe Jimenez. In den ersten Wochen nach dem Patentablauf von Diovan dürfte der Umsatzrückgang in den USA aber «signifikant» sein, so Jimenez in einem Interview mit der «Sonntagszeitung».

Wegen der Nachahmerprodukte sank der Umsatz bei Diovan gemäss Jimenez bereits um 2 Milliarden Dollar. Vorher hatte das Medikament 5,6 Milliarden Dollar in die Novartis-Kassen gespült. In der EU und in Kanada ist der Patentschutz für Diovan schon länger abgelaufen.

Einer Sparrunde erteilte Jimenez vorderhand eine Absage. Vereinzelt möge es zwar Einsparungen geben, ein grosses Programm sei nicht vorgesehen. Das Produktportfolio sei verjüngt und die neuen Medikamente würden sich laufend besser verkaufen. Im zweiten Halbjahr 2013 sollte darum der Umsatz markant steigen, sagte Jimenez.

(tno/sda)