Norvartis und Roche müssen in Italien eine Rekordstrafe von 180 Millionen Euro (218 Millionen Franken) bezahlen. Die italienische Kartellbehörde straft damit Preisabsprachen bei einem Augenmedikament ab, berichtet die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera». Sowohl Novartis als auch Roche verurteilen den Entscheid scharf und wollen den Entscheid anfechten.

Die Preisabsprachen betreffen zwei Medikamente gegen Sehkrankheiten: Novartis und Roche haben dem günstigeren demnach den Marktzugang erschwert – und das teurere bevorzugt. Statt für das günstigere Avastin machten Novartis und Roche sich für das identische Mittel Lucentis stark. Lucentis kostet ab 900 Euro pro Dosis, während für Avastin zwischen 15 und 80 Euro fällig werden, so die Tageszeitung «La Repubblica».

Ausgaben von 45 Millionen Euro zusätzlich

Die Preisabsprachen waren für beide Firmen interessant. Die Roche-Tochter Genentech hat das günstigere Mittel Avastin ursprünglich als Krebsmittel entwickelt und nicht als Augenmittel eingesetzt. Das teurere Medikament stammt von Novartis, das einen Anteil von 33 Prozent an Roche hält.

Bei der Strafe entfallen rund 92 Millionen Euro auf Novartis und rund 90,5 Millionen Euro auf Roche. Die Absprachen haben für das italienische Gesundheitssystem Kosten von mindestens 45 Millionen Euro zusätzlich verursacht, so die Kartellbehörde. Darüber hinaus könnten künftig weitere Kosten von 600 Millionen Euro entstehen.

Novartis und Roche weisen Vorwürfe zurück

Novartis weist die erhobenen Vorwürfe von angeblich wettbewerbswidrigen Abreden zwischen Novartis und Roche in Italien aufs Schärfste zurück, teilt der Konzern auf Anfrage in einem Statement mit. Novartis werde von den Verfahrensrechten Gebrauch machen und gegen die Entscheidung der Behörde Berufung einlegen.

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Die Patientensicherheit sowie die Risiken, die durch den Einsatz eines Medikaments in einem Therapiegebiet entstehen, für das es nicht zugelassen ist (Off-Label-Einsatz), seien äusserst kritische Themen, so Novartis weiter. Lucentis verfüge über ein klares Sicherheitsprofil und sei in fünf ophthalmologischen Therapiegebieten zugelassen. Es sei weiterhin für Patienten in Italien als anti-VEGF verfügbar, so Novartis.

Roche verurteilt die Entscheidung der italienischen Behörde zu der angeblichen Wettbewerbsabsprache ebenfalls scharf. Der Konzern bekräftigt in einem Statement auf Anfrage, dass die Anschuldigungen unbegründet sind und Rekurs eingelegt wird.

(mit Material von awp)