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Pharma
Novartis wird zum Gentech-Powerhouse

Novartis-Basel-Campus
Novartis-Campus in Basel: Gentechnologisches Powerhouse.Quelle: Keystone

Der Basler Pharma-Riese beteiligt sich am US-Unternehmen Homology Medicines. Doch dessen gentechnologischen Methoden sind wissenschaftlich hochumstritten.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 20.11.2017

Mit der Zulassung des Medikaments Kymriah in den USA hat Novartis vor rund zwei Monaten Medizingeschichte geschrieben. Erstmals ist ein Präparat auf den Markt gekommen, das die Gene eines Patienten aktiv verändert und ihn so heilen kann. Ein Meilenstein.

Der verbuchte Erfolg motiviert Novartis offenkundig dazu, sich noch intensiver um Gentech-Therapien zu kümmern und sich noch weitere Gen-Technologien zu erschliessen. So investiert der Basler Pharmakonzern eine nicht-genannte Summe in das US-Startup Homology Medicines, kauft Aktien der Firma und spendiert deren Forschern Geld, um ihre Studien voranzutreiben. Und das nur wenige Monate nachdem Novartis bereits Teil einer Finanzierungsrunde über fast 85 Millionen Dollar war.

Lloyd Klickstein von den Novartis Institutes for Biomedical Research ist ganz aus dem Häuschen. «Wir glauben, die Technologie von Homology hat grosses Potenzial, neue Therapien zu entwickeln», sagte er dem Fachmagazin «Fierce Biotech». «Wir haben nun eine weitere Technologie in unserem Gentech-Werkzeugkasten.»

Das Versprechen: Operation ohne Skalpel

Was Homology verspricht, ist im Vergleich zu den bisherigen Methoden – in Fachkreisen unter den sperrigen Namen CAR-T oder CRISPR bekannt und bei Novartis bereits im Einsatz – tatsächlich beeindruckend. Vereinfacht gesagt behauptet Homology, einen Weg gefunden zu haben, den genetischen Code eines lebenden Menschen zu verändern, ohne die DNA zu zerschneiden und neu zu ordnen. Das wäre, wie wenn ein Chirurg ohne Skalpel operieren oder ein Schneider ohne Schere auskommen könnte. Es wäre eine medizinische Sensation.

Wäre, wenn: Der Konjunktiv ist mit Bedacht gewählt. Denn die Technologie von Homology ist in der Wissenschaft hoch umstritten. «Was mich überrascht ist, dass Homology so viel Geld einsammelt, obwohl die meisten Wissenschaftler glauben, dass das, was das Unternehmen will, gar nicht geht», sagte David Russell, Forscher an der Universität Washington, der renommierten Zeitschrift «Technology Review» der Elite-Hochschule MIT.

Die Kritik: Taugt nicht

Russell ist nicht irgendein Forscher. Er ist derjenige, der 1998 erstmals gezeigt hat, dass der menschliche Körper in seltenen Fällen tatsächlich Gene von einer Zelle in die nächste bringt – ganz natürlich. Allerdings hat Russell auch demonstriert, dass dies nur in 1 von 1000 Fällen passiert. Für therapeutische Zwecke ist das viel zu selten. Die meisten Gen-Techniker und Pharmafirmen haben es nach Russells Forschung aufgegeben, auf diesem Weg nach Medikamenten zu suchen.

Nicht so Homology. Das Unternehmen wagt die Behauptung, den natürlichen Gen-Austausch-Prozess gezielt steuern zu können – mit bestimmten Viren.

Die Chance: der Jackpot

Sicher ist: Gelingt es Homology tatsächlich, den Nutzer der neuen Gentechnologie für therapeutische Zwecke zu beweisen, sitzt das Unternehmen auf einer veritablen Goldader. Es ist der derzeit wohl ultimative Pharma-Jackpot, den menschlichen Gen-Code ohne Eingriff zu verändern und so genetisch bedingte Krankheiten zu heilen. Ein Spritze würde genügen, um bislang unheilbare Krankheiten zu besiegen.

Hinter Homology stehen – neben Novartis – zahlreiche renommierte Venture-Fonds aus dem Silicon Valley und aus China. Sie alle hoffen – wie Novartis – auf den nächsten Meilenstein nach Kymriah.

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