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Nüssli: Grossbauten für den Grossevent

Für die Ewigkeit bauen sollen die anderen. Der Gerüste- und Tribünenbauer Nüssli aus dem Thurgau baut für den Moment. Er tut dies weltweit an den grössten Sport- und Kulturveranstaltungen oder beim Sc

Von Flavian Cajacob
am 17.05.2006

Wenn irgendwo zwischen Ostermundigen und Ouagadougou ein Grossanlass stattfindet, der Papst zum Gottesdienst unter freiem Himmel ruft, Herbert Grönemeyer zum Konzert lädt, die Skisportler um Medaillen kämpfen und die Schweiz einen weltmännischen Pavillon braucht: Dann sind meist auch die Leute von Nüssli mit von der Partie.

Die Gerüste- und Tribünenbauer aus dem Thurgau sorgen mit ihren Konstruktionen für das richtige Ambiente und die freie Sicht auf das Geschehen.

Vom Schwingfest nach Olympia

1941 im Weinbaudorf Hüttwilen in der Nähe von Frauenfeld als Zimmereibetrieb gegründet, ist Nüssli heute ein weltweit operierendes Generalunternehmen in Sachen temporäre Bauten, das mit seinen 230 Angestellten einen jährlichen Umsatz von 90 Mio Fr. erwirtschaftet. Die Gruppe ist in den drei Sektoren Gerüste, Sport- und Kulturevents sowie Ausstellungen und Messen tätig. Den eigentlichen Grundstein zur Diversifizierung legte Firmengründer Heinrich Nüssli in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als er die Schwingfeste mit Holz- und Stahlrohrtribünen belieferte, gleichzeitig aber auch verschiedene Gerüstbausysteme entwickelte und vermietete. Die neuartigen Gerüste zeichneten sich insbesondere dadurch aus, dass die Rohre nicht mehr wie üblich mühsam zusammengeschraubt werden mussten, sondern mit Hilfe eines Keils stabil verbunden werden konnten, was eine grosse Zeitersparnis und eine beträchtliche Kostenreduktion mit sich brachte.

Den Schritt vom Gerüstebauer zum internationalen Tribünenbauer wagte das mehrheitlich in Familienbesitz stehende Unternehmen erstmals an den Olympischen Spielen von München 1972. Nüssli erstellte im Olympiapark mit einem neuen Bausystem Stahlrohrtribünen. Richtig in Schwung sei das Auslandsgeschäft erst 1992 gekommen, «mit den Olympischen Spielen von Albertville und Barcelona», erinnert sich Managing Director Daniel Cordey.

Heute realisiert die Nüssli-Gruppe jährlich rund 1500 Projekte. Die Hälfte der Aufträge wird inzwischen im Ausland abgewickelt. Imposant nimmt sich die Referenzliste aus: Nebst den Organisatoren bedeutender Sportanlässe und Konzerte finden sich da unter anderem auch die Ausrichter grosser Messen wie Cebit oder Basler Uhrenmesse, des Papstbesuches 2004 in Bern, der Weltausstellung 2000 in Hannover und 2005 in Japan sowie jene der Expo02. Das Engagement an der Schweizer Landesausstellung erachtet Daniel Cordey als eines der Highlights in der 65-jährigen Firmengeschichte.

Auf dem Gelände hinter dem Firmensitz stapeln sich Rohre, Stahlträger, Plattformen, Container und Plastiksitze. Trotz des riesigen Umfangs ­ das, was hier lagert, ist lediglich ein Bruchteil des gesamten Nüssli-Inventars. Denn Geld lasse sich nur mit jenem Material verdienen, das nicht zwischengelagert, sondern irgendwo auf der Welt gebraucht werde, schmunzelt Daniel Cordey.

So gingen die Tribünenbauten aus Turin direkt nach Berlin, wo sie für die Fussball-WM vor dem Reichstag als Replika des Olympiastadions für 10000 Menschen wieder aufgebaut werden.

Dass ihre Konstruktionen nicht für die Ewigkeit sind, stört bei Nüssli nicht. Es gebe genügend abschreckende Beispiele, riesige Hallen, die eigens für einen Grossanlass erstellt worden seien und die danach nicht mehr genutzt würden, sagt Cordey. «Wir bürden den nachfolgenden Generationen keine solchen Altlasten auf.»

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Firmenprofi

Name: Nüssli International AG

Gründung: 1941

Führung: Roland Zürcher, Daniel Cordey, Urs Schönholzer, Martin Hübscher

Umsatz: 90 Mio Fr.

Beschäftigte: 230

Produkte: Gerüste-, Tribünen und Messebau, Schreinerei

Kunden: Bauindustrie, Eventmarkt

Internet: www.nussli.ch

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