Privat reist Pascal Kiener leidenschaftlich gerne. In seinem Berufsleben heisst die Devise 2009 jedoch: Zuhause bleiben. Denn die von ihm geführte Banque Cantonale Vaudoise (BCV) beschränkt ihr Geschäft ab sofort auf das Stammgebiet, den Kanton Waadt. Dort sollen Marktanteile im Retailbereich und im Private Banking zurückgewonnen werden. Kein leichtes Unterfangen, wurde die BCV doch über Jahre hinweg von der Konkurrenz an die Wand gedrängt. Dringend in Angriff nehmen muss Kiener auch die IT: Seine Bank ist immer noch nicht auf eine moderne Plattform migriert; das gemeinsame Projekt mit der ZKB endete 2008 im Nichts.

Neue Projekte und alte Lasten

Das Debakel um die IT-Zusammenarbeit mit der BCV gehörte zu den wenigen Schlappen, die ZKB-CEO Martin Scholl letztes Jahr einstecken musste. Ansonsten sah sich der ursprünglich als Krisenmanager eingesetzte Scholl aber in der Rolle des Krisengewinners: Verunsicherte Grossbankkunden wechselten in Scharen zur ZKB. Ein ideales Umfeld also, um zu punkten. Gelungen ist dies dem 47 Jahre jungen CEO mit günstigen Konditionen im Hypothekarbereich und mit einer Offensive im Private Banking. 2009 wird nun aufgedeckt, wie gut das Wachstumsprogramm «Avanti» vorankommt. Daran hängt viel, würde doch ein Erfolg von den vielen Baustellen bei der ZKB ablenken. Und dann sind da noch Altlasten zu bewältigen: Der EBK-Bericht zu den Geschehnissen 2007 steht immer noch aus, und für das Ascom-Aktienpaket in ZKB-Besitz ist immer noch kein Käufer gefunden.

Showdown in Deutschland

Für ein internes Filmprojekt zur Mitarbeitermotivation stellte sich Roland Ledergerber, CEO der St. Galler Kantonalbank (SGKB), kürzlich selbst vor die Kamera. Mitten in einem Thriller gewähnt hat sich der Ex-UBS-Banker wohl auch letzten Dezember, als der Betrugsfall Madoff aufflog und sein Institut plötzlich über 150 Mio Fr. an Kundengeldern gefährdet sah - die SGKB war über ihre Tochter Hyposwiss Genf beim Financier Bernard Madoff investiert gewesen. Ledergerber wird 2009 alle Hände voll zu tun haben, erhitzte Kundengemüter zu beruhigen und die Vermögen gerichtlich zu sichern. Derweil ist der letzte «Take» zur neuen Filiale in München noch nicht im Kasten noch immer wartet die SGKB auf die Lizenz. Auch ohne diese Ablenkungen gäbe es für Ledergerber genug zu tun. 2009 wird ein schwieriges Jahr: Der CEO selbst hat seine Prognosen letzten November nach unten angepasst.

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