Was bei Banken die Obama-Regulierung ist, bedeutet «NegReg» für die privaten, börsenkotierten Hochschulen in den USA. Ende Januar gab es dazu in Washington ein dreitägiges Hearing, bei dem die Fronten verhärtet blieben. Das amerikanische Bildungsministerium, das Department of Education (DoE), verfolgt mit «NegReg» zwei Ziele: Einerseits soll festgelegt werden, dass die Rückzahlungen der Studiengebühren auf keinen Fall 8% des zu erwartenden Einkommens nach einem bestimmten Studiengang überschreiten. Andererseits sollen Verschuldungsgrenzen eingeführt werden. Die privaten Weiterbildungen sind in den USA sehr kostspielig und schlagen rasch mit sechsstelligen Dollarbeträgen für drei- bis fünfjährige Programme zu Buche.

Mit «NegReg» tauchen die Aktien

Die Debatte erinnert stark an die Bankenregulierung und die Diskussionen um Verschuldungsgrenzen bzw. eine Entschuldung von amerikanischen Privathaushalten. Für das knappe Dutzend börsenkotierter Universitäten, die Abschlüsse in Wirtschafts-, medizinischen und sozialwissenschaftlichen Fächern anbieten, decken solche Regulierungsschritte die potenziellen Wachstumsperspektiven, wie die Bilanzlängen- oder Hebelbeschränkungen das ungebremste Wachstum bei Banken zügeln sollen. «NegReg» ist typisch für die Funktion des DoE: Das Ministerium legt die Rahmenbedingungen fest und wacht darüber, ob die Regelungen von den Schulen umgesetzt werden. Und wie es bei den Banken im Vorfeld von wichtigen Regulierungen geschah, fielen auch hier die Aktienkurse.Dabei haben diejenigen der Universitäten in den letzten zwölf Jahren den Aktienmarkt übertroffen. Gerade in schwachen Börsenzeiten schlugen sich die Kurse der wichtigsten Hochschulwerte auffällig besser als der Gesamtmarkt: 2008, als der S&P 500 um 38% fiel, stieg der ganze Sektor um 6%. 2002 war ein ähnliches Horrorjahr an der Börse mit einem Minus von 23% des Gesamtmarkts. Die Schulen schwangen mit durchschnittlich 22% obenauf, wie Analysten berechnet haben.Fazit: In wirtschaftlich schlechten Zeiten tendieren offenbar viele Kandidaten, jetzt ihre Weiterbildungen gerade in den Wirtschaftsfächern nachzuholen bzw. abzuschliessen. In Boomphasen der Ökonomie sind alle viel zu beschäftigt mit dem Geldverdienen, kommentieren die Analysten die schon beinahe gegenläufigen Zyklen. Jetzt kommt hinzu, dass einigen amerikanischen Bundesstaaten die Gelder ausgehen und das Angebot der Weiterbildungsplätze eher verknappt wird.Um zu verhindern, dass die privaten Hochschulen (allzu) viel Kapital aus der Situation schlagen, gibt es 2010 die «NegReg»-Debatte mit dem DoE. Wie im Finanzsektor stehen sich hier zwei grosse Anbieter, Apollo Group und DeVry, einer Handvoll von kleineren Anbietern wie Career Education Group, Corinthian Colleges, Education Management, Educational Services, Lincoln Educational Services, Strayer Education oder Universal Technical Institute gegenüber.

Nur Branchenprimus sorgenfrei

Etliche dieser Leichtgewichte kämpfen mit speziellen Schwierigkeiten. Corinthian Colleges muss sich beispielsweise Sorgen um die niedrigen Abschlussquoten machen, die von DoE argwöhnisch beobachtet werden und zu einem Lizenzentzug führen könnten. Und bei Educational Services wurde das interne Finanzierungssystem für die Studenten unter die Lupe genommen. Hier beobachtet das DoE genau, ob den einbezahlten Krediten der Studenten ausreichende Reserven gegenüberstehen, falls einmal grössere Rück- bzw. Auszahlungen fällig würden.Sorgenfrei steht lediglich Branchenprimus DeVry da: Hier gilt laut Analysten nicht nur die Managementleistung als vorbildlich, auch die Kapitalisierung ist vorzüglich und es gibt etliche vielversprechende Wachstumsinitiativen um die Kernelemente der Universität. Diese Qualitäten haben indes an der Börse auch ihren Preis - die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 gut ein Drittel teurer als der Gesamtmarkt.

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