Lernen ist des Schweizers liebstes Hobby. Mindestens die Hälfte der Wohnbevölkerung sitzt in der Freizeit in Kursen, Lehrgängen, Seminaren oder daheim über ihren Büchern. Was lernen sie denn alle? Porzellan malen oder Puppen basteln? Weit gefehlt. Jeder Dritte, der sich nicht beruflich weiterbildet, belegt einen Sprachkurs. Sehr begehrt sind auch wissenschaftliche Angebote. Erst an dritter Stelle folgen künstlerische und kreative Aktivitäten.

Die häufigste berufliche Weiterbildung betrifft die Informatik, gefolgt von Sprachen, Gesundheit und Persönlichkeit. Auch Kaderkurse sind ausserordentlich beliebt. Das Interesse am Lernen hat sich in den letzten Jahren nicht einmal stark verändert. Einzig die Älteren haben früher in ihrer Freizeit lieber gejasst oder gejodelt. Die Zahl der 45- bis 54-jährigen Kursteilnehmer ist seit 1996 um fast 20% gestiegen, jene der 34- bis 45-jährigen um gut 10%.

Vom Arbeitgeber profitieren

Die Zahlen bestätigen das Bild, das sich jedermann machen kann, wenn er abends oder am Samstag an einer kaufmännischen Berufsschule vorbeigeht. Das Gebäude am Zürcher Escher-Wyss-Platz zum Beispiel gleicht in diesen Zeiten einem Ameisenhaufen. Über 35 000 Lektionen wurden im letzten Jahr erteilt. Dabei ist der KV nur einer von vielen Mitspielern im heftig umkämpften Weiterbildungsmarkt. Dazu kommen staatliche und weitere öffentliche Schulen, private Institutionen wie Akad oder die Migros-Klubschulen sowie zahlreiche andere.

Anzeige

Mehr als ein Drittel der Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung belegt Kurse, die ihr Arbeitgeber selber durchführt. 16% gehen an Privatschulen, 14% an Hochschulen oder Höhere Fachschulen. Die Bedeutung der betrieblich organisierten Kurse zeigt sich daran, dass rund zwei Drittel der Teilnehmer angeben, ihr Arbeitgeber übernehme das ganze Kursgeld. Etwa 20% zahlen die ganze Gebühr selber, die anderen erhalten wenigstens einen Beitrag des Arbeitgebers oder haben andere Finanzierungsformen gefunden.

Wie ernst sie ihre Weiterbildung nehmen, beweist die Zeit, die sie auch zu Hause dem Lernen widmen. Je nach Anforderung sind es 12 bis 60 Stunden pro Jahr, im Schnitt 48. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen. All jene, die sich auf eine Prüfung vorbereiten, wenden erheblich mehr Freizeit dafür auf als jene, die ihr Wissen einfach up-to-date halten wollen. Die sogenannte Höhere Berufsbildung (siehe Tabelle) mit eidgenössisch anerkannten Abschlüssen ist anspruchsvoll, denn es gibt durchaus Prüfungen, die mehr als 30% der Kandidaten nicht bestehen.

12 500 Fachausweise vergeben

Obwohl Höhere Berufsbildung also kein Zuckerlecken ist, haben 2008 über 48 000 Personen an Vorbereitungskursen teilgenommen, fast 14% mehr als 2007. Einen enormen Aufschwung haben dabei die Höheren Fachschulen genommen. Fast 19 000 Studierende, alle nebenberuflich, waren eingeschrieben. 13 000 bereiteten sich auf Berufsprüfungen vor, die erste Stufe der Höheren Berufsbildung. Wer sie besteht, erhält etwa einen Ausweis als Fachmann oder -frau für Finanz- und Rechnungswesen. Gut 4000 strebten eine Höhere Fachprüfung an und hofften auf ein Diplom.

Vom grossen Interesse zeugen auch die Zahlen der Abschlüsse. Nicht weniger als 12 500 Fachausweise wurden 2008 vergeben, das sind 4500 mehr als 2000. Dazu kommen 2800 eidgenössische Diplome und 4200 Diplome von Höheren Fachschulen. Die Inhaber sind alle begehrte Fachleute, deren Weiterbildung den Staat sehr wenig gekostet hat. Wären sie an einer Universität gewesen, statt sich berufsbegleitend weiterzubilden, hätte jeder von ihnen den Staat bis zu 100 000 Fr. pro Jahr gekostet. Nicht zu vergessen: Da sie während der Weiterbildung erwerbstätig blieben, entrichteten sie gleichzeitig Steuern.

Anzeige