«Ich glaube, dass viele von uns noch nicht begriffen haben, was auf uns zukommt: 2009 und 2010 werden sehr schwierige Jahre.» Für den Industriellen Thomas Schmidheiny (63) steht die Schweizer Wirtschaft vor einer gewaltigen Herausforderung – einer tiefgreifenden Rezession. Er sei überzeugt, «dass wir höchstens in der Mitte eines Prozesses der schmerzlichen Anpassung stecken», sagt er im Interview mit der «Handelszeitung».

Eine zentrale Ursache für die Krise sei – gerade im Bankwesen – die Abkehr von der Nachhaltigkeit. Stattdessen habe die «Habgier Überhand genommen». Schmidheiny: «Es ist unmöglich für eine Bank, jedes Jahr auf nachhaltiger Basis eine Eigenkapitalrendite von 25% zu erwirtschaften.» Zudem müsse eine Bank, die über lange Zeit erfolgreich im Geschäft bleiben wolle, die Kundenbeziehungen pflegen. «Das wurde klar vernachlässigt», kritisiert der ehemalige Credit-Suisse-Verwaltungsrat.

Den Abschwung bewältigen soll unser Land, indem man zum «alten Common Sense» zurückkehre. «Wir müssen uns wieder, ganz banal, fragen: Was ist vernünftig?» Dazu zähle eine stärkere Regulierung des Finanzsektors. «Sonst sehen wir in wenigen Jahren die nächsten Übertreibungen.»

Dass der Staat massiv in die Wirtschaft eingreift, kann der Grossaktionär des Zementkonzerns Holcim als «liberal denkender Mensch» nicht begrüssen. «Auf der anderen Seite geht es darum, die Krise zu bewältigen. Das kann angesichts der Dimensionen nur der Staat.»