Für Brady Dougan ist es der schlechteste Start in ein neues Jahr, seit er 2007 CEO der Credit Suisse Group AG wurde. Der Kursanstieg des Schweizer Franken nach dem überraschenden Ende des Mindestkurses für den Euro, zusammen mit Befürchtungen von Investoren, die Bilanz der Bank sei nicht stark genug, und Zweifeln an den Plänen des CEO für die Investmentbank, haben zu einem Kurseinbruch von 22 Prozent im Januar geführt. Das ist der grösste monatliche Verlust seit Dougan seine Aufgabe übernahm.

Credit Suisse weist damit die schlechteste Entwicklung unter den europäischen Banken auf, mit Ausnahme der griechischen Kreditinstitute, wie der 45 Mitglieder umfassende Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index zeigt.

Divdendenschnitt könnte kommen

Dougan, 55, gehen die Optionen aus. Er könnte es den Konkurrenten, darunter der UBS, nachmachen und die Investmentbank angesichts schwächerer Erträge im Handel mit Anleihen weiter schrumpfen, sagen Aktionäre. Und um die Kapitaldecke zu stärken, sind einige sogar bereit, auf die Dividende zu verzichten.

«Die Dividende für ein Jahr entweder ganz oder teilweise zu streichen, müsste nicht unbedingt etwas Schlechtes sein», wenn damit Fragen zur Bilanzstärke ein für alle Mal beendet wären, sagte Robert Taylor, Fondsmanager bei Harris Associates in Chicago, im Interview mit Bloomberg News. Harris ist laut Bloomberg-Daten mit einem Anteil von rund 4,2 Prozent der fünftgrösste Aktionär der Credit Suisse mit Sitz in Zürich.

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Mindestkurs-Aus bereitet Schwierigkeiten

Am 12. Februar wird die Credit Suisse, die zweitgrösste Schweizer Bank, ihr Ergebnis für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2014 vorlegen. Für 2013 erhielten die Aktionäre 0,70 Franken je Aktie als Dividende, in den beiden Jahren davor gab es einen Mix aus Geld und Aktien. Im Oktober hatte Dougan erklärt, die Bank werde Rückstellungen für eine Bardividende für 2014 bilden.

Nach Einschätzung von Huw van Steenis und Canset Eroglu, Analysten bei Morgan Stanley in London, ist es nach dem Ende der Frankendeckelung für die Bank eine «grössere Herausforderung» geworden, die Kapitalziele ohne eine Dividendenkürzung zu erreichen. Mit einer Dividendenkürzung könne die Bank die Rückstellungen für Rechtskosten und Unsicherheiten über die Ertragsstärke der Investmentbank abfedern, schrieben die Analysten in einem Bericht vom 4. Februar. Katrin Schaad, Sprecherin bei Credit Suisse, wollte sich für diesen Artikel nicht äussern.

Keine Erholung vom Schock

Auf die Credit Suisse könnten ausserdem bald höhere Eigenkapitalanforderungen zukommen, insbesondere bei der Leverage Ratio, einem Messwert für die Gesamtverschuldungsquote. In diesem Fall wäre die Bank in einer schwächeren Position als die Konkurrentin UBS, weil sie über weniger Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme verfügt, wie Peter Stenz, Fondsmanager bei Swisscanto Asset Management AG in Zürich, darlegt.

«Credit Suisse kommt von allen Seiten unter Druck», so Stenz. Der Schritt der Schweizer Notenbank, die Franken-Deckelung zu beenden, sei ein Schock für jeden gewesen. Aber Credit Suisse zähle zu den wenigen Aktien, die sich davon noch nicht richtig erholt hätten, weil es zusätzliche Befürchtungen über das Kapital der Bank und den Ausblick für das Ergebnis der Investmentbank gebe, so Stenz. Das Management müsse sich um diese Probleme kümmern, fordert er.

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Dollar wird zur Belastung

Zwar hatte Credit Suisse am 21. Januar mitgeteilt, sie habe positive Ergebnisse im Handel erzielt und keine nennenswerten Verluste im Devisenhandel verzeichnet, seit die Schweizerische Nationalbank die Märkte in Turbulenzen versetzt hat. Doch die Bank signalisierte auch, dass Wechselkursschwankungen den Gewinn beeinträchtigen könnten, da die Kosten im Vergleich zu den Erträgen zunähmen.

Credit Suisse erzielt den grössten Teil der Erträge in US- Dollar. Da der Anteil der Kosten, die in Franken auflaufen, höher liegen als die Erträge in dieser Währung, müsste die Bank die Kosten senken, um die Profitabilität zu verbessern.

Schlechterer Ausblick

«Der Ausblick für Credit Suisse hat sich deutlich verschlechtert, und wir sehen keinen Wert mehr, noch nicht einmal auf diesem niedrigen Niveau», schrieb Analyst Omar Fall von der Jefferies Group LLC in London, in einer Studie, und senkte die Anlageempfehlung für die Aktie von «Kaufen» auf «Halten» ab.

Der Nettogewinn der Bank für das vierte Quartal wird sich nach der durchschnittlichen Schätzung von sechs Analysten in einer Umfrage von Bloomberg auf 805 Millionen Franken belaufen, nach einem Verlust aufgrund von Rechtskosten im Vorjahreszeitraum. Im Handel mit Festverzinslichen dürften die Erträge sieben Analysten zufolge um 22 Prozent gestiegen sein.

(bloomberg/ise/ama)

Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock

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Reaktionen auf den Franken-Schock: Ruag führt ab Oktober für 72 ihrer Mitarbeiter in Nyon Kurzarbeit ein. Im April und Juli hat der Rüstungs-und Technologiekonzern bei exportorientierten Bereichen die Arbeitszeit um drei Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöht. Grund war die Frankenstärke.

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