Das letzte Quartal 2008 ist allen M&A-Akteuren eingefahren und hat einen langen Schatten auf das Jahr 2009 geworfen. Notverkäufe, Fusionen und Abspaltungen von Firmenteilen, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten, prägten das M&A-Geschehen. Zudem rasselten die Preise in den Keller.

Die Finanzkrise, die den globalen M&A-Markt mit voller Wucht erwischt hat, hinterlässt auch in der Schweiz ihre Spuren. 2008 gab es elf Deals mit Schweizer Beteiligung, die einen Transaktionspreis von über 1 Mrd Fr. verzeichnen - 2007 waren es noch 20, ein Rekord. Letztes Jahr nahm nicht nur die Zahl der Transaktionen um 11,9% auf 592 zu. Auch das Volumen stieg gemäss der exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Übersicht des M&A-Unternehmens The Corporate Finance Group um 8,5% auf 97,9 Mrd Fr. Doch zieht man den angekündigten Megadeal zwischen Roche und Genentech (44,7 Mrd Fr.) vom Gesamtvolumen ab, sieht das Resultat anders aus: Es resultiert ein Minus von 41%.

Was heisst das für die Zukunft? Erstens werden es die grossen Transaktionen schwierig haben. «Das grösste Hindernis für M&A-Transaktionen dürfte bis auf weiteres die Finanzierung darstellen», sagt Werner Kuhn, Leiter Investment Bank Schweiz der UBS. Insbesondere die Akquisitionsfinanzierungen mittels Kredit seien schwer zu gewährleisten. Nach dem Lehman-Brothers-Kollaps ist gerade die Syndizierung grosser Kredite äusserst schwierig geworden. Auch Marco Illy, Leiter Investment Banking der Credit Suisse in der Schweiz, Deutschland und Österreich, sieht die grösste Herausforderung darin, «Preiserwartungen von Verkäufern und Käufern in Einklang zu bringen sowie die Kreditfinanzierung für sinnvolle Übernahmen zu beschaffen».

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Zweitens dürfte die KMU-Landschaft einmal mehr beweisen, dass sie das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft ist. Die meisten Unternehmen sind solide und konservativ geführt. Das positioniert sie gut, und zwar sowohl als Käufer als auch als Übernahmeziele. Dies veranlasst Oliver Schärli, Leiter der Abteilung Mergers & Acquisitions/Nachfolgeberatung bei der Zürcher Kantonalbank, gar zu ehrgeizigen Zielen für 2009: «Das Potenzial im Bereich Nachfolgeregelung ist bedeutend, und zwar unabhängig von der Finanzkrise.» In anderen Worten: Auch wenn 2009 die Rekordwerte der Vorjahre nicht mehr erreicht werden, der M&A-Markt wird nicht zum Erliegen kommen. Denn gerade die hohe Volatiliät und die unsicheren Aussichten sind wichtige Treiber für die Branche. Und strategisch sinnvolle Deals haben seit jeher ein leichtes Spiel.