Die Finanz- und Wirtschaftskrise war nicht nur durch einen Rückgang der Realwirtschaft geprägt, sondern auch durch eine Flucht in liquide und sichere Häfen. Erst die Kombination dieser Faktoren führte dazu, dass praktisch alle risikoreichen Anlagen und somit auch Rohstoffe von der Krise erfasst wurden. Historisch gesehen ist diese Situation zwar nicht einzigartig, aber eher selten. In anderen Krisen boten Rohwahren einen zuverlässigen Schutz. Auch in ruhigeren Phasen war die Korrelation zu Aktien und Bonds oft sehr tief oder gar negativ.

Neben Risikoüberlegungen spricht vor allem der zu erwartende Nachfrageanstieg für die Beimischung von Rohwaren ins Portefeuille. Besonders die rasante Entwicklung so wichtiger Schwellenländer wie Brasilien, China oder Indien führt zu einem weltweit dramatisch ansteigenden Rohstoffbedarf, der auch durch die Finanzkrise nur einen kurzen Dämpfer erfahren hat.

Deutlicher Nachfrageüberhang

Der neue Wohlstand bedeutet einen steigenden Konsum. Er beschleunigt aber auch die Entwicklung hin zu einer modernen Industriegesellschaft. Die Folgen sind erhöhte und individuellere Mobilität sowie veränderte Ernährungsmuster. Der Anteil an Fleisch und anderen ressourcenintensiven Nahrungsmitteln wie Schokolade und Kaffee wird grösser.

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Während der Konsum steigt, bleiben die Ressourcen - wie etwa Erdöl oder Agrarland - begrenzt. Dies führt dazu, dass sich die wachsende Nachfrage mittelfristig nicht mehr befriedigen lässt. Es kommt praktisch zwangsläufig zu einer sich stetig zuspitzenden Knappheitssituation, welche permanent preistreibend wirkt. Diese anhaltende Übernachfrage bildet die Grundlage für das derzeit hohe Renditepotenzial von Rohwaren.

Investitionsstau wegen Krise

Darüber hinaus gibt es im Moment handfeste Anzeichen für eine weitere Angebotsverknappung zahlreicher wichtiger Rohstoffe wie Kupfer oder Kohle. Ihr Keim liegt im Liquiditätsengpass und in den Preisrückgängen der Finanzkrise. Viele Bergbauprojekte wurden wegen der krisenbedingt schwierigen Liquiditätssituation in der Finanzierung teurer. Gleichzeitig litt ihre Rentabilität unter den tieferen Rohwarenpreisen. Konsequenterweise wurden Projekte zurückgestellt oder gar ganz gestrichen. Jedoch blieb der Einfluss dieses Investitionsstaus wegen der meist mehrjährigen Projektdauer und der abgeschwächten Nachfrage bisher gering, die lange Projektzeit wird aber auch eine schnelle Ausweitung des Angebots verhindern.

Eine ähnliche Auswirkung ist von der Ölpest im Golf von Mexiko zu erwarten. Obwohl das Verbot von Tiefseebohrungen vorläufig vom Tisch ist, wird die Havarie hohe Kostensteigerungen in Form von zusätzlichen Sicherheitsvorschriften nach sich ziehen. Verschärfend wirkt auch die politische Unsicherheit. Sie wird die Förderer dazu bewegen, mit dem Bau neuer Plattformen abzuwarten, bis die rechtliche Situation geklärt ist.

Bei etlichen Rohwaren muss also davon ausgegangen werden, dass die steigende Nachfrage auf ein sich weiter verknappendes Angebot trifft. Wie heftig Rohstoffpreise in solchen Konstellationen nach oben ausbrechen können, haben jüngst die Weizenmissernten gezeigt: Der US-Weizenpreis hat sich um über 50% erhöht.