Was kann ein Daniel Düsentrieb machen, wenn er glaubt, eine zündende Idee zu haben, aber nicht weiss, wie er sich seine Forschung leisten kann? Der Wissenschaftler kann versuchen, einen Partner aus der Industrie zu überzeugen, ihm seine Arbeit zu finanzieren. Beileibe kein leichtes Unterfangen.

Genau hier hakt die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) ein. Seit 2004 veranstaltet sie jährlich einen Ideenfindungsprozess für Fachleute aus Forschung und Industrie. Das sogenannte SATW Transferkolleg fördert den Wissensaustausch, um Forschungserkenntnisse in einer frühen Phase sichtbar zu machen, damit daraus irgendwann Produktinnovationen werden.

Die SATW ist weder politisch abhängig noch kommerziell orientiert. «Wir sind eine neutrale Drehscheibe zwischen Forschung, Politik und Industrie», sagt Rolf Hügli, seit 1. März 2008 Generalsekretär der Organisation. Er sieht die SATW dank ihren Mitgliedern und Kontakten zudem als Nährboden für Projekte mit Potenzial. «Wir generieren Ideen ganz am Anfang der Pipeline, weil wir nicht irgendwelche Brancheninteressen wahren müssen, die im weiteren Verlauf immer wichtiger werden.»

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Nur zwei Seiten für eine Idee

In diesem Jahr steht das SATW Transferkolleg unter dem Thema «Industrielle Photonik». Innovative Ideen können noch bis 31. Juli 2008 eingereicht werden. «Die Anträge müssen nur zwei A4-Seiten umfassen ? mehr nicht», erklärt Kommissionspräsident Klaus Ragaller (siehe «Nachgefragt»). Dabei arbeiten im Idealfall ein Hochschulforscher und ein Produktentwickler zusammen. Bei Bedarf unterstützt die SATW das Finden eines geeigneten Partners.

Akzeptierte Projekte ? 2007 waren es 16 von 26 eingereichten Anträgen ? erhalten eine Finanzspritze von 16000 Fr., getragen von der Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI), die auch sonst dem SATW Transferkolleg mit Rat und Tat zur Seite steht. «Dieser Unterstützungsbeitrag dient aber nur der Forschung; die Industrie erhält kein Geld», ergänzt Ragaller. Damit können die Partner die Machbarkeit ihrer Idee testen.Im November 2008 nehmen die Partner an einem zweitägigen Workshop teil. Sie evaluieren die Zukunftschancen ihrer Idee unter der Leitung von Innovationsspezialisten und erarbeiten Massnahmen für die Weiterführung. Ragaller: «Für die Stossrichtung eines Transferkollegs bestehen zwei Kriterien: Produktive Forschungszweige und breite nationale Industriebasis. Neben dem wissenschaftlichen Kern geht es um das Marktpotenzial.»

Nach dem Workshop werden die Projekte von der SATW nur noch begleitet. Ragaller weiter: «Wir kontrollieren die Umsetzung regelmässig. Die Projekte sollen riskant sein. Wir nehmen bewusst eine Erfolgsquote von nur 50% in Kauf ? sonst sind die Produkte nicht innovativ.» Bis aus einer Idee ein Endprodukt wird, vergehen locker zehn Jahre. Während der Entwicklungsphase wird alles «vertraulich» behandelt. Nur so viel sei verraten: Geforscht wird in Bereichen wie Impfstoffen, Kunstknochen, Sanitäroberflächen, Schleifmaterialien, Abwasserbehandlung oder Luftqualitätsmessung.

Lebensqualität dank Photonik

Was ist Photonik? Diese Art der Elektronik steht erst am Beginn der kommerziellen Evolution. Sie bezeichnet die Nutzung der Elektronen und Photonen. Diese gemeinsame Anwendung ist schwieriger zu beherrschen. Zum Fortschritt der Photonik haben künstlich hergestellte Materialien wesentlich beigetragen. Photonik hat unsere Lebensqualität bereits nachhaltig verbessert, am sichtbarsten durch Internetverbindungen, Solarzellen oder Beleuchtungsdioden.

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) mit Sitz in Zürich ist ein Netzwerk von Persönlichkeiten, die sich seit 1981 einsetzen, die Technik zum Wohl der Gesellschaft zu fördern. Die Organisation vereinigt Individuen (240) und Institutionen (60) in der Schweiz.

 

 

NACHGEFRAGT


«Zufall auf Sprünge helfen»

Klaus Ragaller, Kommissionspräsident SATW Transferkolleg und ehemaliger Technologiemanager ABB, über die Entstehung von Innovationen.

Was ist der Grundgedanke hinter dem Transferkolleg?

Klaus Ragaller: Alle sagen, Innovation ist wichtig. Doch wie passiert sie? Es braucht dafür in der Regel eine Partnerschaft zwischen Forschung und Industrie. Auch zweckfreie Kontakte führen zu überraschenden Resultaten. Nicht wenige der grossen Innovationen entstanden aus Zufallskontakten. Deshalb kann es gar nicht genug exploratorische Erstkontakte geben. Die SATW versucht, dank ihrem Netzwerk dem Zufall auf die Sprünge zu helfen.

Wie bringen Sie Forschung und Industrie zusammen?

Ragaller: Wir stellen einen Rahmen bereit, der zu den Erstkontakten motiviert. Dabei achten wir besonders darauf, die Hürden für beide Seiten so tief wie möglich zu halten. Der Aufwand und die Formalitäten sind gering. Ein Netzwerk ähnlicher Projekte sowie eine offene Diskussion in diesem Kreis unter Wahrung der nötigen Vertraulichkeit sind weitere wichtige Elemente.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Ragaller: Bis aus einem Projekt ein Produkt entsteht, braucht es mindestens zehn Jahre. Wir haben erst vor vier Jahren mit dem Transferkolleg begonnen, ein Produkt können wir also nicht vorweisen. Der Erfolg zeigt sich zunächst in der Konkretisierung einer Idee. Damit steigt das Vertrauen, was wiederum zu einem höheren Engagement beider Seiten führt. Die grösste Hürde ist immer die Überwindung der vagen und riskanten Startphase.