Das Niveau der chinesischen Direktinvestitionen in Europa ist 2017 um 76 Prozent gestiegen. Das kam aber nur durch die verspätete Mega-Übernahme des Agrarchemiekonzerns Syngenta durch ChemChina zustande. Ohne den Mega-Deal wären die Investitionen um 22 Prozent abgesackt.

Denn das vergangene Jahr stand in China unter dem Zeichen verschärfter Kapitalkontrollen, wie das Beratungsunternehmen Baker McKenzie in seinem Bericht vom Mittwoch schreibt. Das senkte die Zahl der angekündigten Transaktionen beträchtlich.

Viele Transaktionen aus China bereits aus dem Vorjahr

Die Zahl abgeschlossener Deals stieg 2017 noch um 6 Prozent auf 350. Bei mehr als der Hälfte von ihnen handelte es sich aber um Abschlüsse bereits 2016 angekündigter Transaktionen.

Mit dem 43 Milliarden Dollar schweren Syngenta-Deal investierte China 81 Milliarden Dollar in Europa. Auf einen Schlag wurde die Schweiz damit zum grössten europäischen Empfänger von chinesischen Investitionen in diesem Jahrhundert. Die Syngenta-Übernahme ist die grösste je getätigte Auslandinvestition Chinas.

81 Prozent weniger Direktinvestitionen in Deutschland

Rechnet man diesen Mega-Deal heraus, sank der Umfang der durchschnittlichen Transaktion in Europa von 346 auf 162 Millionen Dollar.

Den stärksten Rückgang chinesischer Direktinvestitionen verzeichneten mit 81 Prozent Deutschland gefolgt von Spanien und Frankreich. Allerdings lag das Vorjahresniveau hoch. Ohne Syngenta wäre Grossbritannien wegen der Logicor-Transaktion der grösste Investitionsempfänger gewesen.

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Während Syngenta die Lage auf dem alten Kontinent rettete, gingen die chinesischen Direktinvestitionen in Nordamerika um 35 Prozent auf 30 Milliarden Dollar zurück. Die durchschnittliche Transaktion sank von 626 auf 282 Millionen Dollar.

19 Deals mit Europa und den USA annulliert

19 Deals im Umfang von über 12 Milliarden Dollar wurden im vergangenen Jahr seitens der Chinesen in Europa und Nordamerika annulliert. Baker McKenzie schätzt, dass ein Drittel der Flops auf chinesische Handelsentscheidungen und Regulationen zurückgeht. Der Rest geht auf die Kappe von europäischen und nordamerikanischen Regulierungsbehörden.

Trotz diverser Wermutstropfen war 2017 bei chinesischen Direktinvestitionen in Europa das beste Jahr und in Nordamerika das zweitbeste Jahr.

 (sda/me)

 

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