Gurkenscheiben auf den Augenlidern erfrischen den Blick, und der Genuss von kaltem Kaffee soll schön machen. Dass zudem gesunde Ernährung zum Wohlbefinden und damit zum wohlgefälligen Aussehen beiträgt, ist bekannt, für viele aber nicht genug. Deshalb lancieren der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und der französische Kosmetikhersteller L'Oréal das Produkt innéov firmness, eine Verbindung von Aktivstoffen, Soja-Isoflavonen, Vitamin C und einem speziellen Tomatenextrakt mit Lakto-Proteinen, wie es in der Produktbeschreibung heisst. Die Schweizer und die Franzosen haben zu diesem Zweck das Joint-venture-Unternehmen Laboratoires innéov gegründet.

Angesprochen werden vor allem Frauen ab 40 Jahren

Das Dragée setzt sich also aus Bestandteilen von Tomaten, Soja, Vitamin C und Molke zusammen und sorgt angeblich für dichtere und festere Haut an Gesicht und Körper. Angesprochen sind vor allem Frauen ab 40, besonders vor und während der Wechseljahre, so die Produktbeschreibung. Die Zielgruppe umfasst damit ungefähr die Hälfte der Frauen in der Schweiz.

Mit der Erkenntnis, dass Schönheit von innen auch via Nahrungszusätze kommen kann, arbeiten die Lebensmittelhersteller schon länger. So vertreibt Rivella zum Beispiel einen Beautycolada, einen exotischen Fruchtsaftdrink mit Aloe Vera und Biotin, einem B-Vitamin. Und die Luzerner Emmi AG ist mit der Lancierung von Aloe Vera-Joghurts und Fruchtdrinks «sehr zufrieden». Laut dem Emmi-Marketingleiter Erich Kienle ist auf dem Weltmarkt immer noch eine positive Entwicklung für «Functional Food», also Nahrungsmittel mit Zusatznutzen, festzustellen. So habe sich der Umsatz in Europa von 1999 bis 2003 von 15 Mrd auf 20 Mrd Dollar gesteigert. «Wenn man in die Regale schaut, scheint der Trend zu Functional Food ungebrochen, aber viele Produkte verschwinden auch wieder vom Markt», relativiert Esther Infanger von der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung. «Wenn der Genuss nicht da ist, kann der Nutzen von Lebensmitteln noch so gross sein.»

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Auch für Männer sind die Produkte unbedenklich

Der Genuss fällt bei innéov weg, die Wirkung kommt über eine tomatenrote Pille, die als Nahrungsmittelzusatz und nicht als Functional Food beim Bundesamt für Gesundheit registriert wurde. Im Unterschied zu Algendragées oder Vitamintabletten sei es das erste Mal, «dass ein Produkt aus Lebensmitteln gemacht wurde, das eine spezifische Wirkung hat», sagt Peter Schwegler, zuständig für die PR des Produkts, das Mitte Oktober auf den Schweizer Markt kommt. Denn der Markt für Nutricosmetics, Nahrungsmittel mit kosmetischem Nutzen, ist neu und verfüge über ein grosses Potenzial, meint man bei der PR-Firma.

Tatsächlich gingen in Deutschland seit der Lancierung des Produkts im März dieses Jahres 80 000 Packungen über die Ladentheken ausgewählter Apotheken, sagt der Projektleiter von innéov Deutsch-land, Stefan Geelhaar, das Stück zu 24,80 Euro. «Wir sind sehr zufrieden.» Für Männer übrigens sei das Produkt nicht schädlich, sagt Geelhaar trocken.

Beim Hersteller, den Laboratoires innéov, sind weitere ehrgeizige Projekte geplant. So sollen laut Schwegler Nutricosmetics zur Verbesserung der Haare, zum Schutz von empfindlicher Haut und zum Schutz der Haut vor UV-Strahlung entstehen. Nach dem Siegeszug des Functional Food mit gesundheitlichem Nutzen erwartet uns jetzt vielleicht dasselbe für die Schönheit ­- getreu der L'Oréal-Werbung: «weil ich es mir wert bin».

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Fazit: Der Lebensmittelmulti aus Vevey tanzt auf einer weiteren Hochzeit. Das Potenzial scheint auch bei den Nutricosmetics enorm. Das Papier ist im Langzeit-Vergleich mit einem KGV von 14 nicht teuer. Die ungünstigen Währungsrelationen klingen ab.