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Nutzfahrzeugemarkt: Käufer sind verunsichert

 

Europa Im 1. Halbjahr 2012 wurden insgesamt knapp 9 Prozent weniger Lieferwagen und schwere Nutzfahrzeuge immatrikuliert. Dies ist Abbild der Konjunkturentwicklung und Folge der Schuldenkrise.

Von Kurt Bahnmüller
am 03.10.2012

Während den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in ­Europa (Europa der 27 plus Efta-Länder) 939 867 leichte, mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge neu in Verkehr gesetzt. Dies geht aus der Statistik des europäischen Automobilhersteller-Verbandes ACEA hervor. Das Minus von 8,4 Prozent ist einerseits ein Spiegelbild der Konjunkturentwicklung in vielen europäischen Ländern, anderseits auch Ausdruck einer gewissen Verunsicherung der Nutzfahrzeugbetreiber vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise. Vor allem die Verkäufe in Südeuropa brachen zum Teil kräftig ein. Für das Gesamtjahr 2012 rechnen die Hersteller mit einem Rückgang im europäischen Markt um rund 10 Prozent.

Am stärksten reduzierten sich die Immatrikulationen bis Ende Juni 2012 im Bereich der leichten Lieferwagen und Transporter bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Die Verkäufe gingen hier um knapp 10 Prozent auf 780 514 Fahrzeuge zurück. Vom Minus­trend waren alle massgebenden Hersteller betroffen, mit Ausnahme von Volkswagen. VW verkaufte 3,3 Prozent mehr Stadt­lieferwagen, Transporter und Pick-ups.

Federn lassen mussten Fiat (–20,5 Prozent), Opel (–18,3), Citroën (–14,6) und Ford (–12,8). Renault konnte seine Führungsposition in dieser Gewichtsklasse halten.

Bei den mittelschweren Fahrzeugen zwischen 3,5 Tonnen und 16 Tonnen Gesamtgewicht hielten sich die Verkäufe in den ersten sechs Monaten 2012 praktisch auf Vorjahreshöhe. Von den führenden Anbietern legte einzig DAF Trucks zu, dies mit einem Plus von immerhin 36,5 Prozent. Die übrigen Anbieter verzeichnen rückläufige Absatzzahlen.

Bei den schweren Fahrzeugen hielten sich die Rückgänge der Immatrikulationen in Grenzen. Gesamthaft wurden 116 640 Nutzfahrzeuge ab 16 Tonnen Gesamtgewicht bis Ende Juni neu in Verkehr gesetzt. Marktführer Mercedes-Benz konnte die Verkäufe, auch dank der neuen Euro-6-Modelle, um 6,7 Prozent steigern.

Iveco legte um 3 Prozent zu. MAN und DAF Trucks konnten die Immatrikulationen auf Vorjahreshöhe halten, während die übrigen Hersteller schwerer Fahrzeuge rückläufige Absatzzahlen hinnehmen mussten.

Ob sich die derzeit eher abwartende ­europäische Kundschaft von den zahlreichen Neuheiten, welche an der IAA Nutzfahrzeuge präsentiert wurden, zum Kauf überzeugen lässt, werden die kommenden Monate zeigen. Europas Probleme sind allerdings nicht vom Tisch.

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