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Nutzfahrzeugmarkt: Widersprüchliche Entwicklungen

 

Die Halbjahresergebnisse der europäischen Hersteller zeigen ein unterschiedliches Bild. Nicht alle Marken konnten zulegen.

Von Kurt Bahnmüller
am 03.10.2012

Studiert man die Halbjahresberichte der börsenkotierten europäischen Nutzfahrzeughersteller, so kommt man zu höchst unterschiedlichen Schlüssen über die weltweite Nutzfahrzeugkonjunktur. Insgesamt betrachtet sehen die präsentierten Umsatz- und Absatzzahlen gar nicht so schlecht aus. Wie diese Berichte Ende Jahr aussehen, darüber äus­sern sich die Chefs der Unternehmen nur sehr zurückhaltend. Marktführer Daimler etwa geht davon aus, bis Ende 2012 zumindest die Vorjahresergebnisse erreichen zu können, nicht zuletzt dank der guten Ergebnisse der Nutzfahrzeugsparte. Denn Konzernchef Dieter Zetsche musste kürzlich bekannt geben, dass die Personenwagen-Sparte das Vorjahresergebnis nicht erreichen werde.

Nutzfahrzeuge besser als PW

Das Wechselspiel des Erfolgs zwischen dem PW- und dem Nutzfahrzeuggeschäft beim weltgrössten Hersteller von Nutzfahrzeugen ging im 1. Halbjahr 2012 zugunsten der Trucks aus. Weltweit verkaufte der Daimler-Konzern bis Ende August 2012 nicht weniger als 20 Prozent mehr Nutzfahrzeuge. Damit erntet Daimler die Früchte der seit Jahren vorangetriebenen Globalisierung des Nutzfahrzeuggeschäfts. Trucks mit dem Stern sind heute auf allen wichtigen Märkten präsent und werden auch in hohem Masse lokal produziert.

Zu keiner konkreten Aussage lässt sich Olof Persson, President und Chief Executive Officer (CEO) der Volvo Group, Göteborg, verleiten. Er weist nur auf die schwierige Konjunkturentwicklung in einigen Kernmärkten von Volvo hin. Der zweitgrösste Hersteller von Nutzfahrzeugen, zu dem auch Renault Trucks gehört, erzielte im 1. Halbjahr einen Umsatz von 162,7 Milliarden schwedischen Kronen, eine Zunahme von 8,1 Prozent. Davon entfielen auf die Nutzfahrzeugsparte 100,2 ­Milliarden Kronen. Der Ertrag im Nutzfahrzeuggeschäft (Operating Income) reduzierte sich um 19 Prozent auf 7,64 Milliarden Kronen. Deutlich positiver verlief für Volvo das Geschäft mit Baumaschinen. Dort resultierten eine Umsatzzunahme von 15 Prozent und ein Operating Income von 4,76 Milliarden Kronen, damit ein Plus von 29 Prozent.

Scania AB, die heute mehrheitlich zum Volkswagen-Konzern gehört, musste im 1. Semester einen Rückgang der Verkäufe von 21 Prozent auf 32032 Nutzfahrzeuge und Busse hinnehmen. Ins Gewicht fiel dabei der Rückgang der Verkäufe in Südamerika um 21 Prozent, zurückzuführen auf die Einführung der Abgasnorm Euro 5. Der Umsatz von Scania sank um 10 Prozent auf 4,49 Mil­liarden Euro. Der Gewinn (Net Income) reduzierte sich um 34 Prozent auf 371 Millionen Euro.

MAN Truck & Bus, der zweite deutsche Nutzfahrzeughersteller, erzielte im ­1. Halbjahr mit 7,7 Milliarden Euro einen Umsatz auf Vorjahreshöhe. Das operative Ergebnis allerdings verminderte sich im gleichen Zeitraum um 38 Prozent auf 471 Millionen Euro, hauptsächlich zurückzuführen auf den niedrigeren Ertrag im Nutzfahrzeuggeschäft. Besser abgeschnitten hat der Bereich Power Engineering, dessen operatives Ergebnis nur um 16 Prozent zurückging. Den Absatzrückgang auf dem europäischen Nutzfahrzeugmarkt konnte MAN durch hohe Zuwächse in Russland und anderen Regionen ausserhalb Europas ausgleichen – allerdings verbunden mit teils niedrigeren Margen, wie der Halbjahresbericht feststellt.

Euro 6: Kaufen oder noch zuwarten?

Ebenfalls Absatzrückgänge verzeichnet der italienische Iveco-Konzern, dessen Verkäufe in Europa um knapp 10 Prozent auf 39274 Einheiten zurückgingen. Der Umsatz verminderte sich um 8,5 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro; der Gewinn erreichte 191 Millionen Euro, ein Rückgang von 7,3 Prozent.

Die Unsicherheit bei etlichen Kunden, die vor Neuanschaffungen stehen und sich fragen, ob sie Euro-5- oder Euro-6-Modelle bestellen sollen, ist evident, schliesslich tritt Euro 6 erst am 1. Januar 2014 für Neufahrzeuge in Kraft. Zuwarten mit dem Kauf ist deshalb durchaus eine Alternative.

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